Freitag, 29. April 2016

Ferien mit behinderten Kindern

Frau Petra Wontorra, Behindertenbeauftragte des Landes Niedersachsen, besucht hier eine neue Kindertagesstätte und war erfreut, wie Inkklusion von Anfang an gelebt wird und der Kompass der UN Konvention die Richtung vorgibt. Das Kind steht im Mittelpunkt war das Motto des Tages.

Ich möchte auf die Feriensituation unser behinderter Kinder aufmerksam machen.

Es werden wieder Sommerferien – auch für behinderte Kinder. Das bedeutet 6 Wochen am Stück frei für unsere Kinder. Ein Traum für alle Kinder, die diese Freiheit genießen können.
6 Wochen, die Eltern dauerhaft betreuungsintensiver, behinderter Kinder, die meisten Kopfschmerzen bereiten. Ebenso wie die anderen 8 Ferienwochen.

Ein Schulkind hat 14 Ferienwochen. 14 Wochen, die Eltern von morgens bis abends ihre behinderten Kinder betreuen und das mit dem Arbeitsplatz in Einklang bringen müssen.

Selbst ein Elternpaar, das keinen Urlaubstag gemeinsam verbringt, kann die Betreuung mit dem gesetzlichen Jahresurlaub nicht abdecken. Für alleinerziehende Elternteile ist es noch schwieriger.

In Cuxhaven gibt es keine Betreuungsmöglichkeiten für Kinder mit Behinderungen. Ferienhorte für andere Kinder gibt es, diese können aber den Betreuungsschlüssel für behinderte Kinder nicht stellen.
Tagespflegeplätze für Kinder werden auch nicht angeboten, weil die mit den Krankenkassen vereinbarten Tagessätze von ca 40-45 € für eine 8 stündige Betreuung eines Kindes mit Pflegestufe 3 nicht wirtschaftlich geleistet werden kann.

An den wirklich schönen Angeboten des Ferienpasses können betreuungsintensive behinderte Kinder nicht teilnehmen.
Gespräche, über die Möglichkeiten zumindest eine 3 wöchige Ferienbetreuung für behinderte Kinder aufzuziehen, bekam als positivste Zusage, daß man uns dabei keine Steine in den Weg legen wird.

Unser Wunsch, daß unsere behinderten Kinder zu den gleichen finanziellen Konditionen an der vorhandenen Ferienbetreuung teilhaben können, wurde auch im Zeitalter der UN Konvention seitens des Sozialamtes und des Jugendamtes mit einem Lachen und einem Hinweis auf überzogenes Anspruchsdenken beantwortet.

Es wäre schön, daß die Kinder auch noch im Mittelpunkt stünden, wenn sie den Kindergarten verlassen und nicht sozial vereinsamt die Ferien verbringen müssen. Denn unsere Kinder haben ein Recht auf diese Teilhabe.

Interessant sind hierzu auch die Kommentare auf Facebook zu lesen, wir stehen scheinbar nicht allein mit dem Problem da.

Mich persönlich trifft es nicht mehr, mein Kind wird die Schule verlassen. Ich handel als Elternvertreter unser Förderschule für die kommenden Kinder und Eltern.

https://www.facebook.com/118203308258880/photos/a.131503893595488.34188.118203308258880/1006143636131505/?type=3&theater



Kommentare:

  1. Du sprichst mir aus der Seele ... nein, nicht nur mir. Vielen Eltern mit behindertem Kind.

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  2. Oh ja. Das Problem kommt mir bekannt vor. 66 Ferientage (ohne Feiertage) hat mein Kind. 59 Urlaubstage haben wir Eltern insgesamt.

    Hier gibt es einen Hort - früher über einen privaten Verein - das lief super. Jetzt über die Schule (und einen anderen Träger) und es herrscht Chaos. Auch toll. :-( Ich möchte mein Kind ja nicht nur "aufbewahrt" haben, sondern auch noch ein gutes Gefühl dabei. Saskias Zähne erzählen nun leider dauerhaft davon, wie es nicht laufen sollte.

    Also stehen wir wieder vor dem Betreuungsproblem, mussten vor Ostern bereits die Anträge ausfüllen für das komplette nächste Schuljahr. Wie soll ich denn heute schon Horttermine planen für August 2017?

    Nach unseren Erfahrungen jetzt haben wir versucht, mit so wenig Hort wie möglich auszukommen. Aber das ist ja auch keine Lösung. Der frühere Träger ist leider inzwischen nur noch für andere Schulen zuständig (die Stadt wurde aufgeteilt) - dort dürfen wir nicht mehr hin.

    Bleibt noch die Lebenshilfe, die ihr Angebot stark geschrumpft hat, weil das Sozialamt nicht mehr mitspielt. Oh ja, Leben mit behinderten Kindern im 3. Jahrtausend. Einfach großartig.

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