Samstag, 30. Januar 2016

Nochmals Lehrer

Mein behinderter Sohn hat die wunderbarsten Lehrer, die ich mir vorstellen kann, die immer mit Rat und Tat und zur Seite stehen, aber niemals uns bevormunden oder ihre Vorstellung über das Wohl des Kindes über die der Eltern stellen und deswegen die Eltern "entmündigen" und eigenständig entscheiden.

Posting war veranlasst durch die Erzählungen einer Freundin, deren Lehrer kategorisch festlegten, das erste Fördergespräch habe im Haus der Eltern stattzufinden.

Das erinnerte mich an unser erstes Schuljahr, als zum Abschluss des ersten Elternabends noch so nebenbei beiläufig erwähnt wurde, daß wir nicht vergessen sollten, die Krankenkassenkarte mitzugeben, damit man unsere Kinder im nahegelegenen Krankenhaus zwecks orthopädischer Behandlung vorstellen könne.

Ich japste auf. Man fügte begütigend hinzu, wenn ich Wert darauf lege, dürfe ich auch mitkommen.

Ich gab die Erklärung ab, daß niemand mit meinem Kind zum Arzt ginge - außer im Notfall.

Dann kam der Hinweis, daß das individuelle Elterngespräch im häuslichen Umfeld stattzufinden habe. Aufgeschreckt durch die Vorstellung man könne von Seiten der Schule bei meinem Kind einfach die orthopädische Behandlung in die Hand nehmen, hatte ich das dringende Bedürfnis, deutlich Distanz zu wahren und zu schaffen.

Dieser Termin fand trotz meiner deutlichen Worte, es nicht zu wollen, bei uns zu Hause statt. Es war ein nettes, konstruktives Gespräch, das so genauso in der Schule geführt hätte werden können. Aber ich hatte meinen Platz zugewiesen bekommen - untergeordnet. Da ich ein behindertes Kind habe, darf man über mich und mein Kind einfach und ungefragt bestimmen. Diese Quintessenz war zu ziehen.

Es geht mir nicht um den Sinn oder Unsinn von Hausbesuchen, sondern um die Entmündigung so etwas einfach zu VERLANGEN.

Im gegenseitigen Einverständnis wird es eine ganz tolle Sache sein.

Und ja, ich weiß, daß die Lehrer das Beste für das Kind wollten. Da war keine Bösartigkeit der Hintergedanke. Aber wie verletzend sie dadurch entmündigen, haben sie nach jahrelanger Übung aus Betriebsblindheit nicht mehr gesehen.


Und danke für die herrliche Feststellung in einem der Kommentare, daß man feststellen muss, daß der Käse nicht auf der Pizza liegt und man das bitte zu akzeptieren habe - ich habe sehr gelacht. Für alle, die es nicht wissen, dieser ironische Kommentar bezieht sich auf die Geschichte Willkommen in Holland.
Ich schleppe also die Käse in Holzschuhen durch Tulpenfelder zum Käsemarkt und hoffe, daß Stürme und Landunter möglichst nicht zu oft vorkommen.

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