Montag, 10. Juni 2013

1 Jahr Krankenhaus

Jean Ayres, als Autorin des Buches „Bausteine kindlicher Entwicklung“ kennt wohl fast jeder mit einem besonderen Kind. Ich möchte sie heute zitieren:

„Mütter, deren Kinder Entwicklungsprobleme haben, tragen eine enorme seelische Last. Nur in wenigen Berufen haben Menschen Ähnliches zu ertragen, doch ist hier die Last von einer anderen Art. Die Väter neurologisch behinderter Kinder können sich von dieser Bürde ebenfalls nicht befreien, aber sie tragen sie anders als die Mütter.

Manchmal scheint die Last des Problems unerträglich zu sein. Sein Vorhanden-sein oder seine Schwere werden dann einfach geleugnet, um damit fertig werden zu können. Andere Eltern erkennen die Bedeutung des Problems und suchen immer wieder nach geeigneten Auswegen aus der schwierigen Situation.“


Besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können. Wir stehen gerade wieder vor einer OP. Bei meiner Tochter wird das Mittelohr rekonstruiert. Beim anderen Ohr war es sehr schmerzhaft und das bedeutet jetzt im Vorfeld Angst.

Es ist die 21. OP bei einem meiner Kinder. Könnt Ihr Euch vorstellen, welch Furchen ich schon in die Flure vor dem Aufwachraum getreten habe, während ich unruhig herum tigerte.

Nein, man gewöhnt sich nicht daran, die Kinder vor der OP Schleuse abzugeben. Oft waren es nur kleine Routineeingriffe, wie Röhrchen rein oder raus. Oft waren es auch stundenlange OPs mit Gipszeiten von 6 Wochen, Gips von Füßen bis Rippe.
So dass die Zeit auch außerhalb der Krankenhauszeit durch einen 24 h Schwerst -Pflegefall absorbiert war.

Es steht uns die 54 stationäre WOCHE bevor, die eines unserer Kinder in einem Krankenhaus oder einer Rehaeinrichtung verbringt. Die Zeiten nach der Geburt oder die ganzen Tage in der Tagesklinik mal nicht mitgerechnet. Sonst kämen da noch 3-4 weitere Wochen zusammen.

Wir haben also rechnerisch ein Jahr lang eines der Kinder im Krankenhaus gehabt. Die meiste Zeit davon aber nicht hier im Ort, sondern mit 40 km, 120 km oder 250 km Entfernung von uns.

Rechnerisch ein Jahr, in dem mein Mann meine Rolle als Mutter, Hausfrau, Köchin, oft auch Pflegekraft und auch meine berufliche Tätigkeit übernehmen musste - und natürlich nebenbei noch Vater und berufstätig sein mußte. Lohnfortzahlung oder Elternkranktage gibt es ja für Selbständige nicht.

Rechnerisch ein Jahr, in dem unsere verbliebenen Kinder ohne ein Elternteil leben mussten oder ihre Freizeit am Wochenende auf diversen Stationen von Krankenhäusern verbracht haben.

Und dazu die obig so wunderbar dargestellte seelische Grundbelastung seit mehr als einem Jahrzehnt, die auch nicht abebbt, sondern nur andere Phasen erreicht. Die physische Grundbelastung ist auch nicht wegzudiskutieren.

Tja, was will ich eigentlich damit sagen oder erreichen. Gar nichts letztendlich. Aber ich wollte es einfach mal ausgesprochen haben und sagen ich bin dann ab Mittwoch mal wech….(mal wieder)…




Kommentare:

  1. Du hast uns informiert, und wir können Anteil
    an deinem Schicksal nehmen.
    Ich denke an dich und
    ich bete für dich und deine Familie.

    Kraft und Zuversicht wünscht dir
    Elisabeth

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    1. Danke für Deine guten Wünsche!

      Liebe Grüße

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  2. Nein, man gewöhnt sich nicht daran. Das wird man nie tun. Und nein, es wird nicht leichter werden. Und ja, es ist eine riesig große Belastung.

    Viel, viel Kraft euch
    Andrea

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    1. Danke für die Kraft und Deine wahren Worte.

      Oft reicht es auch einfach zu wissen, daß es nicht leichter wird.

      Liebe Grüße

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  3. Ich bin nicht betroffen.
    Und doch bin ich betroffen.
    Von dem, was du schreibst.

    Du hast es hier abgelegt - und wer will, trägt ein Stück mit.

    Seid und bleibt unter dem Schirm des Höchsten bewahrt.

    <3ensgrüße von Gisa.

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    1. Abgeben und mittragen lassen ist eine ganz große Erleichterung.

      Liebe Grüße

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  4. Ich bin nun auch betroffen, es liest sich so schwer für Dich, für Euch.
    Alles Gute.
    Deine Zeilen sind richtig. Wir wissen dass nichts leichter wird, die Belastung bleibt. Manchmal denke ich, dass wir nun dran gewöhnt sind, dann lehrt mich das tägliche Leben wieder eines Anderen.
    liebe Grüsse
    Elisabeth

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    1. Du kennst das ja genauso. Man gewöhnt sich an die Belastung, nimmt sie als Normalität, aber wenn dann doch noch einer oben drauf gesetzt wird, merkt man, wie sehr man am Limit läuft.

      Und KH, Reha, Kurerfahrungen auch negativer Art habt Ihr ja auch genug für einen Fortsetzungsroman.

      Liebe Grüße

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  5. ich schicke ganz viel kraft !!! es wird nie leichter... alles liebe und herzliche grüße sophie

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    1. Nein, irgendwie nicht, anders oder andere Probleme ja, aber leichter irgendwie nie - ist wohl lebenslang ;-)

      Liebe Grüße

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  6. liebe Muschelsucher,
    lass dir einfach mit soviel Mitgefühl und Verständnis wie möglich, liebe , aufmunternde, stärkende Grüße da .
    Sanne

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  7. Liebe Muschelsucher,

    ich wünsche Dir viel Kraft und hoffe, daß es nicht so schlimm wird!

    Liebe Grüße!

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    1. Diesmal wissen wir, auf was wir uns einlassen - und werden die Schmerzsituation mit Narkosearzt und HNO absprechen und gleich noch vor dem Aufwachen eine Medikation verabreden - ich hoffe, das klappt.

      Schmerzfrei aufwachen ist so wichtig.

      Liebe Grüße

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  8. Ach, du Himmel!
    Ich glaub, ich möcht gar nicht wissen, wie lange wir bis jetzt im Spital waren.....
    Aber ein Jahr lang? Nein, da komm ich zum Glück nicht drauf. Mhm, obwohl mit Reha vielleicht doch.... Nein, ich will's Nicht wissen!
    Ich Denk grad fest an euch! Alles wird klappen!
    Halt uns auf dem laufenden.
    Ganz liebe Grüße
    Tanja

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  9. Ich lese hier nur ab und an mit und es ist nun etwas spät: aber ich schicke einfach mal mitfühlende Grüße. Ich kann das sooo gut verstehen. "Nicht schon wieder Krankenhaus"... es erschöpft unendlich, und du hast ja noch nicht einmal die Zeit mitgerechnet, die man benötigt, bis man danach dann wieder richtig "im Tritt" ist, bei mir dauert das gefühlt fast immer eine Woche (egal, wie lange der stationäre Aufenthalt dauert).

    Nein, man gewöhnt sich nicht daran. Trotzdem alles Gute. Aber jetzt habt ihr es ja schon hinter Euch.
    Grüße
    frifris

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  10. Möge Dir und Deiner Familie nie die Kraft aufgehen!
    LG
    Oona

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