Montag, 17. Dezember 2012

Amoklauf und Autismus - die Berichterstattung

In den Medien nicht nur in den USA wird der Amoklauf immer wieder mit dem Aspergersyndrom in Verbindung gebracht. Alles auf Vermutungen und Laienaussagen beruhend, wird dem Täter jetzt Autismus angedichtet und als direkte Ursache für den Amoklauf gesehen, sozusagen, als logische Folge des Autismus.

Aus diesem Grund möchte ich Euch auf einen Artikel aufmerksam machen, er fasst den Unwissenheitswahnsinn und die falschen Verteufelungen, die darauf beruhen, sehr gut zusammen.

Kommentare:

  1. Ich danke dir dafür !

    Liebe Grüße
    Andrea

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  2. Die im höchsten Maße undifferenzierte, tendenziöse Berichterstattung zum Asperger-Autismus im Falle des fürchterlichen Ereignisses in den USA macht mich schon seit Tagen - ja was eigentlich - wütend, hilflos, traurig?

    Ich habe selbst ein Teenager-Kind, das diese Diagnose aufweist und sehe seit Jahren jeden Tag, mit wieviel Unverständnis , Ablehnung, Ausgrenzung und Vorurteilen selbst mein relativ milde betroffener Sohn in seinem Leben schon zurecht kommen musste - auch ohne von den Medien der Welt zu einem potentiellen Monster gemacht zu werden.
    Er hat sich erst vor ein paar Tagen nicht ohne Not spontan entschlossen, seine Diagnose zu offenbaren und das Wort Asperger-Autismus ist deswegen gerade sehr präsent in den Köpfen seiner Mitschüler - ich wünschte jetzt, er hätte es nicht getan. Der Gedanke daran, welche Art von Informationen dazu im Moment in allen Kanälen verbreitet werden, macht mich krank.

    Außer ein paar (der Hilflosigkeit) geschuldeten Leserbriefen an diverse Presseorgane ist mir leider noch nichts eingefallen, um dieser Diffamierung, denn das ist es doch letztendlich, entgegen zu wirken.

    Liebe Grüße von einer sonst meist stillen Leserin
    Anka

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    1. Hallo,
      ich weiß auch immer nicht, ob die Nennung einer Diagnose gut ist oder nicht. Vielleicht kann man auf mehr Verständnis hoffen, aber ich denke, entscheidend ist gerade in der Schule, daß man an eine "gute" Klasse gerät. Zu uns kam ein Junge mitten im Schuljahr, 7 oder 8. KLasse, weil er an der anderen Schule nicht klar kam. Schnell war uns klar, der ist intelligent und etwas komisch. Aber er lief so mit, machte das, was er wollte mit uns und anderes eben nicht, gab eigentlich keine nennenswerten Probleme. Seine "Grilligkeiten" wurden unter dem Stichwort wundersamer Professor bei uns so hingenommen. Seltsam fanden wir, daß seine Mutter bei Klassenausflügen uns immer folgte, heimlich wie sie meinte uns sich zum Beispiel bei einer Waldexkursion immer hinter Bäumen versteckte. Heute mit dem Wissen, was ich durch meinen Sohn erlangt habe, denke ich, daß er ein waschechter Autist war. Ich weiß nicht, ob es damals an der Situation etwas geändert hätte, wenn wir das gewußt hätten. Vielleicht stand auch gar keine Diagnose. Das Diagnoseverfahren hat sich ja gewaltig verändert. Die ganzen A Diagnosen wie AD(H)S, AVWS und Autismus sind ja sprunghaft angestiegen, was sinnvoll nur durch andere Diagnoseverfahren erklärt werden kann.

      Liebe Grüße

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    2. Die Frage "sagen oder nicht sagen" ist sicher schwierig und ich kann aus eigener Erfahrung in Bezug auf die Schule nichts dazu sagen, da ich erst als Erwachsene diagnostiziert wurde. Eigentlich bin ich für Offenheit und ich werde es wohl trotz allem mit der Bloggerin Lady Pillow halten, die meint "jetzt erst recht", weil es einfach Aufklärung braucht. Es widerstrebt mir, es nicht zu sagen, wenn ich denke, dass ich es gerne sagen würde, zumal es ja auch viele Situationen für mich entspannter macht und Missverständnissen vorbeugt, wenn mein Gegenüber Bescheid weiß (das muss ja nicht gleich jeder sein, der mal in einer Vorlesung neben mir sitzt, aber z.B. Leute in der Gemeinde oder Leute an der Uni, mit denen ich mehr zu tun hab).

      Zum Thema A-Diagnosen: Zumindest bei Autismus liegt es sicher zu einem Großteil an den Diagnoseverfahren bzw. -kriterien. Die Diagnose Aspergersyndrom gibt es erst seit 1994, auch wenn Hans Asperger das Syndrom schon in den 40-er-Jahren beschrieben hat. Es wurde dann Jahrzehnte später quasi "wiederentdeckt". In der Zwischenzeit kannte man nur den frühkindlichen Autismus. D.h. dein Klassenkamerad kann eigentlich keine Autismusdiagnose gehabt haben, denn das Aspergersyndrom "gab" es noch nicht und FKA trifft bei einem Schüler auf dem Gymnasium nicht zu (so Dinge wie hochfunktionaler Autismus gab es ja genausowenig).
      Ich weiß zwar nicht, wie alt du genau bist, aber dem Alter deiner Kinder nach zu urteilen, dürften es ein paar Jährchen mehr als bei mir sein - und ich war 1994 ist SPZ, wo zwar einige typisch autistische Verhaltensweisen und Eigenschaften beschrieben wurde, aber keiner auch nur ansatzweise an Autismus dachte (Mutter überfordert -> soll sich Haushaltshilfe nehmen, Kind zu angespannt -> soll autogenes Training machen waren die Ergebnisse...) Aber wenn man bei Rehakids so liest, gibt es ja immer noch, knapp 20 Jahre später, genug ahnungslose "Fach"leute :-(
      Und sicher fallen Kinder mit Asperger heute auch eher auf, allein durch die anderen Unterrichtsformen. Frontalunterricht und gelegentliche Einzelarbeiten sind für einen Autisten ja perfekt im Gegensatz zu Gruppenarbeiten, Stationenlauf (was für eine Unruhe) usw. Wie es AD(H)Slern damit geht, weiß ich nicht genau, aber Strukturen und klare Abläufe sind da ja meines Wissens auch oft hilfreich.
      Und mit AVWS kenn ich mich nicht aus, das kenne ich auch erst, seit ich bei rehakids davon gelesen habe.

      (Ich hoffe, der Kommentar erscheint nur einmal, sowohl mein Rechner war zickig als auch Blogger, das sich gerade nicht mit wordpress vertragen wollte...)

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    3. Oh die Unterrichtsform... mein Jüngster hat eine sehr ausgeprägte AVWS und ist etwas chaotisch und unorganisiert. Ich denke, er würde besser in der Schule klar kommen, wenn die Klasse leise wäre, immer auf den Plätzen säße, der Lehrer vorne klar und deutlich spricht, genaue Ansagen macht und er nur Heft und Buch für ein Fach hat und nicht Mappe, Arbeitsheft, Dickie, Heft, Wörterbuch, Übungsbuch usw und man es teilweise in der Schule lassen soll, weil es sonst zu schwer zum Tragen ist usw. Er kommt damit einfach nicht klar.
      Dabei hat er keine Aufmerksamkeitsstörung oder so.

      Ich bin bei uns mit Diagnosen immer offen umgegangen. Wobei wir mit AVWS ja auch eine "Modediagnose" haben, von der einige denken, daß damit Intelligenz- oder Erziehungsmängel verdeckt werden sollen.

      Das Schulbeispiel, was ich oben brachte, war aus dem Jahr 83/84... also lange vor Deinem Diagnosefiasko.


      Liebe Grüße

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    4. Dass AVWS von manchen als Modediagnose gesehen wird, wusste ich gar nicht. Aber sie hat natürlich irgendwie "das Zeug dazu"... normale Intelligenz mit Problemen in anderen Bereichen (wie ja z.B. auch bei Legasthenie).
      Dass Leute dann meinen, dass damit weniger Intelligenz verbunden ist, kann ich ja zumindest noch ansatzweise nachvollziehen (auch wenn ich die Meinung nicht teile) - aber Erziehungsmängel?

      Ich bin heilfroh, dass ich um die neuen Unterrichtsformen noch weitgehend rumgekommen bin. Wobei ich mir in der Grundschule manchmal gewünscht habe, dass wir auch so tolle Wochenarbeitspläne hätten wie die Kinder im Sachkundebuch^^ Mir war nämlich meistens ziemlich langweilig... Ich glaube, perfekt hätte ich gefunden, wenn ich einfach für mich selber in meinem Tempo hätte arbeiten dürfen *g* Aber natürlich ohne Gruppenarbeit und ohne Unruhe und Gewusel in der Klasse ;-) Und ganz soviel Zeug hatten wir auch nicht (wer oder was ist Dickie?), meistens Heft, Buch und ggf. Arbeitsbuch, vielleicht noch ein Regel- oder Grammatikheft.
      Der Unterricht war aber halt in großen Teilen doch eher frontal oder Einzel- oder höchstens Partnerarbeit, das ging, Ruhe war auch noch recht selbstverständlich. Ich bin echt heilfroh, dass ich aus der Schule raus bin. Ich bin da zwar ziemlich problemlos durchgekommen, aber ob ich das mit den heutigen Methoden noch schaffen würde, weiß ich nicht...

      LG
      Gedankenkarrussel

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    5. Ich bin nicht Autist, habe kein AD(H)S oder eine AVWS, aber ich HASSE Gruppenarbeit, ich kann laute Räume und sinnlose Nebengeräusche wie dudelnde Radios, denen keiner zuhört, nicht ab.

      Eigentlich Einzelarbeit in meinem Tempo, genau wie Du es sagst.

      Dickie - das ist das dickere Arbeitsheft, im Gegensatz zum dünneren Arbeitsheft.

      Liebe Grüße


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    6. Danke für die Erläuterung bezüglich Dickie ;-)

      Ich denke auch, dass diese tollen neuen Pädagogikformen nicht für jedes Kind immer das beste sind... aber das darf man ja nicht laut sagen.

      LG
      Gedankenkarrussel

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