Mittwoch, 3. Oktober 2012

Werner

Werner habe ich bereits in den ersten Tagen hier bemerkt, kurz nachdem wir hergezogen waren. Damals wußte ich nicht, daß er Werner heißt. Ich bemerkte nur, daß er immer sehr viel in der Stadt herum läuft und meinem ehemaligen Ausbilder im Referendariat recht ähnlich sah.

Werner sah ich dann im Laufe der Jahre immer wieder, eigentlich fast täglich. Irgendwie merkte ich neben dem Wachstum der Kinder an ihm wie die Zeit verging, denn Werner ging immer krummer.

Werner war auch oft in der Gemeinde oder bei uns auf dem Grundstück. Werner mochte gerne mit Leuten sprechen.

Werner mochte unglaublich gerne Marathon- Medaillen und trug immer welche um den Hals. Er hatte sich auch zum hiesigen Marathon gemeldet. Die Startnummer pinnte er sich so an die Brust, daß er blutete. Ich weiß nicht, welche Strecke er lief oder ob er überhaupt antrat, aber er bekam eine Medaille.

Werner bastelte die schönsten Schiffe. Sie waren Kunstwerke. Er verschenkte sie.

Vor einer Woche gestand er mir, er hieße gar nicht Werner, er werde nur so genannt, aber das schon so lange, daß er den richtigen Namen vergessen habe.

Vor kurzem kam er mir stolz mit einem SPD Button am Revers entgegen. Er erklärte mir, jetzt Mitglied in der SPD zu sein und später eine Rede halten zu müssen (es war Straßenfest). Ich wünschte ihm Glück und versicherte ihm, daß er es sicher sehr gut machen werde.

Das waren die letzten Worte an ihn. Er ist am Montag verstorben.

Ruhe in Frieden.



Kommentare:

  1. Es ist gut, wenn jemand schnell erlöst wird.
    Das ist der einzige Trost beim unerwarteten Tod.

    Alles Liebe
    Elisabeth

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  2. berührt mich sehr, dein nachruf an "werner" hier.............

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  3. ich musste erstmal schlucken zuerst ein wenig schmunzeln und dan der große schock...

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  4. Ich find jetzt nicht dir richtigen Worte, es ist traurig.
    Ja, "Ruhe in Frieden", dass wünsch ich unbekannterweise dem Werner.

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