Montag, 8. Oktober 2012

Puh, wie soll Integration/Inklusion jemals klappen

Situation: ansonsten fittes Kind hat sich den Fuß gebrochen, kann wieder laufen, allerdings keine langen Strecken und es soll auf Klassenfahrt gehen.

Wir haben einen Rollstuhl, den wir für lange Strecken mitgeben können.

Und jetzt geht das Problem der Lehrer los:

Wie umsteigen mit der Bahn -
die Bahn bietet Mobilitätsservice an - muß man aber anmelden.

Wie kommt man zur Jugendherberge - 600 m vom Bahnhof:
entweder jemand schiebt und man teilt sich das Gepäck auf oder Kind nimmt Taxi.

Nachfrage bei allen geplanten Unternehmungen - sie sind alle Rolligerecht.

Jugendherberge ist behindertengerecht und hat einen Duschstuhl.

-> da waren die Lehrer der Meinung, daß es meine Aufgabe sei, das alles rauszufinden.

Jetzt bleibt nur noch die Furcht, mit dem Rolli durch die Stadt zu schieben und den Zeitplan einzuhalten.

Nein, ich kann nicht garantieren, daß bei verspätetem Zug und/ oder kaputten Fahrstuhl jeder Anschlusszug erreicht wird.

Nein, ich kann auch nicht sagen, ob die Bürgersteige vielleicht aufgerissen sind und man da mit dem Rollstuhl nicht rüber kommt.

Ich kann aber anbieten, ein Taxigeldpool mitzugeben, damit solche Schwierigkeiten im Notfall umfahren werden können.

Wie soll das dann ab nächstem Jahr mit wirklich behinderten Kindern gehen, wenn diese einen Rechtsanspruch auf inklusive Beschulung haben. Müssen dann auch die Eltern die Klassenfahrten planen?

Ich kann immer nur Betonen, mit gutem Willen geht viel - gegen den Willen gar nichts, da stehen nur die Schwierigkeiten im Vordergrund.

PS Nach Rücksprache mit meinem Kind eben, wurde ihm nach dem Gespräch mit den Lehrern gesagt, im Rolli könne er nicht mit....

Eine Bankrotterklärung kurze Zeit vor der gesetzlichen Manifestierung der Inklusion.

Kommentare:

  1. Immer wieder erfährt man:
    Theorie und Praxis sind zweierlei.

    Viel Kraft wünscht dir
    Elisabeth

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  2. Es hilft uns nicht jetzt sprachlos zu sein, denn dann sind wir zu leise und noch weniger wird passieren....
    Es hilft jetzt nicht nun wortlos zu sein, denn dann ist das abgehackt für die Schule: Kind bleibt zu Hause ... Problem erledigt.
    Eigentlich müsste man sich HIlfe von den Medien holen, im Kleinen schon zu den Behindertenbeauftragten der Städte und Gemeinden laufen....schreiben, reden usw.

    Wir Mamas sollten 48 Std.-Tage haben um das auch noch zu tun, weil ... wir haben ja kaum zeitlichen Mehraufwand mit unseren behinderten Kindern, oder? Ja, ich bin nun ironisch, es geht grad nicht anders... es ist zum schreien. Was tut Ihr nun? Hoffentlich darf der Arme doch mitfahren, das kann doch nicht sein, dass er nun ausgeschlossen wird!

    Inklusion ... leere Worte, wie sollen wir das bloss ändern? Es feht so sehr am Guten Willen!
    liebe Grüsse
    Elisabeth

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  3. Dein Bericht ist erschreckend. Was ist das für eine Welt? Wie stellen die Lehrer sich das alles vor?

    Viel Kraft euch weiterhin!

    Liebe Grüße
    Andrea

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  4. Na das ist doch mal wieder typisch.
    Ich hoffe das ihr noch einen Weg findet.
    LG
    Nicole

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  5. Als ich hüftbedingt UAGs hatte und wir eine Klassenfahrt planten, meinte mein Klassenlehrer, es sei gar kein Problem, dass ich mitkomme, man könnte ja einen Rollstuhl mieten/Leihen wasauchimmer. Ich lehnte trotzdem ab, da mir das zu stressig gewesen wäre und ich so 4 Tage einfach schulfrei hatte ;-)
    Was ich sagen will: Ich glaube, es kommt auch immer stark auf den Lehrer an. Welche Einstellung er hat und wie viel er leisten WILL, um es dem betreffenden Schüler möglich zu machen.
    Es tut mir ziemlich leid für euch, dass dieser Lehrer offenbar nichts leisten will...

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  6. Ihr müsst unbedingt laut werden, und zwar an den richtigen Stellen, Schulleitung, Schulamt, Kultusministerium, ganz direkt ohne Scham. Sonst passiert NIX nix nix. Wir haben zwei Jahre für die Inklusion gekämpft, und immer noch versucht man uns hintenherum "reinzulegen" (also von Schulamtsseite, die Schule ist super). Habt ihr sonderpädagogische Begleitung? Macht denen Druck. Da bewegt sich nur was, wenn es ihnen wehtut - d.h. wenn die Öffentlichkeit das erfährt, wenn es politisch wird, wenn es an jemandes schöner Fassade kratzt.

    Am 20. Oktober ist in Stuttgart Tag der Inklusion. Ich wäre so gerne dabei. Die "oben" wissen oft gar nicht, wie (schlecht) die Schulen/bzw. das Schulamt (vor allem letzteres) das alles umsetzt.

    Lieben Gruß
    frifris

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  7. Oooh, ich habe das mißverstanden! Es ist nicht dein bereits inklusiv beschultes Kind.
    Trotzdem: ich würde zur Schulleitung gehen und wenn das nicht hilft, einen Leserbrief an die Zeitung schicken. Das geht gar nicht! So ein Blödsinn, das ist doch jetzt wirklich kein Hexenwerk!!! Das kann kein Lehrer heutzutage ernst meinen.

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  8. Liebe Muschelsucherin,
    wir haben in unserer Grundschule auch behinderte Kinder. Diese haben jeweils für 1 Jahr eine Förderkraft vom Kreis genehmigt bekommen. Zwar ist die Betreuung nur für jeweils 1 Jahr gesichert, aber immerhin.
    Ich selbst würde den Lehrern, auch wenn ich immer für friedliche und konstruktive Lösungen und Gespräche bin, so einen Dampf machen. Meine erste Frage wäre was sichmein Gegenüber wünscht wenn es eine Behinderung hat. Wie möchte sich der Lehrer betreut fühlen?
    Von Herzen wünsche ich Euch eine offene und wirklich integrative Betreuung. Lasst Euch nicht unterkriegen. GLG Kirsten

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  9. Hei du...ich bib entsetst...ich mache gerade der kurs inklusion und wir lernen wie das gehen soll...komisch ist das nicht einfach wird...dein bericht muss ich bei meine kurs vorlesen,als beispiel...so kann nichr weiter gehen. schone woche mit viel kraft wunsche ich dir.bussi.lu

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  10. Wo ist mein kommentar?hoffentlich ist gegangen.schone woche wunsche ich euch.bussi.lu.

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