Donnerstag, 2. August 2012

Brockenwanderung mit Handycap

Wenn man ein gehbehindetes Kind hat, kann man nicht einfach parken und den Goetheweg auf den Brocken stiefeln, wenn man denn gerne diesen Berg besteigen möchte. Nein, das erfordert mehr Planung.

Diese Planung sah im Ergebnis dann so aus, daß ich meinen Mann und einen Sohn in Torfhaus aus dem Auto geschmissen habe und sie Richtung Gipfel losstiefelten. Ich dagegen fuhr mit den übrigen Kindern nach Wernigerode und kaufte 2 Bahnkarten für die Fahrt mit der Dampflok auf den Brocken. Nur 2, weil die HSB unglaublich sozial ist und man darf mit Wertmarke als Behinderter kostenfrei fahren, eine Begleitperson bei eingetragenem B ebenso.

Wir 4 fuhren also Richtung Brocken. Schon bevor wir losfuhren, waren meine Männer nur noch 3 KM vom Gipfel entfernt. Aber sie hatten Picknick und Bücher dabei, denn die HSB ist ja kein D Zug.

HSB

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Naja, ganz so einfach, wie es sich hier liest, war es nicht, denn ganz Wernigerode ist eine Baustelle und ich kam nicht zum Bahnhof und für eine weitere Umleitung fehlte mir die Zeit vor der Abfahrt, also haben wir geparkt und sind mit Rolli, Kind und Kegel die letzten 500 m gelaufen.

Zum Glück dachte ich noch daran, den Parkplatz im Navi zu speichern und das Navi einzustecken.

Oben auf dem Brocken kam es dann zu einer Familienzusammenführung. Das wichtigste mußten wir zuerst erledigen. Autoschlüssel, Behindertenausweis, Fahrkarten und Navi tauschen. Denn diese Dinge benötigte jetzt mein Mann, der mit dem Wandersmannsohn und den beiden fußkranken Kindern die Rückreise mit der Bahn und dem Auto antrat, während ich mich mit dem Jüngsten an den Abstieg zu Fuß machte.

Während die Dampflokfahrt nach oben eher technisch begeisterte, tat es jetzt die Natur:

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Das Objekt der Begierde

Von da oben kamen wir her:

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Und da zu den in der Mitte zu erkenndenen Masten von Torfhaus wollten wir hin:

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hier etwas gezoomt besser zu erkennen:

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Die kaputten Bäume sind das, was alle in meinem Alter noch als Waldsterben in Folge des sauren Regens kennen. Man spricht nicht mehr so darüber. Im Nationalpark Harz sind die Folgen nicht beseitigt, sondern man überläßt den Wald sich alleine, in der Hoffnung, daß die alte den Nadelbäumen unterliegende Saat aus vorherigen Jahrunderten aufgeht, wenn diese absterben. Es soll ein naturbelassener Urwald entstehen, der so früher an dieser Stelle gestanden hat, bevor die Menschen ihn in schnell nachwachsende Hölzer vergewaltigt haben.

Teilweise sieht es sehr trostlos aber auch mahndend aus:

Die Auswirkungen des sauren Regens zwischen Torfhaus und Brocken

Waldsterben - saurer Regen - die Auswirkungen

Inzwischen rief mein Mann an, daß er den Wagen dank Navi im Fußgängermodus sehr schnell und zuverlässig gefunden habe und unterwegs sei, uns in Torfhaus abzuholen.

Wir wurden ziemlich von Insekten heimgesucht, was besonders meinen Sohn nervte. Die meisten Mückenstiche habe allerdings ich bekommen, allein auf einer Wange sind es 7.

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Mein Sohn sprang immer links und rechts des Weges wie ein junger Hund durch die Gegend, bis er völlig panisch zurück kam, er habe eine knöcherne Hand im Gras gesehen, da liege eine Leiche.

Zum Glück war es nur ein Kabel, aber ein ferner flüchtiger Blick kann schon zu Verwechslungen führen:

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Kurz bevor der Rest der Familie in Torfhaus ankam, waren wir schon da und konnten uns mit einem Eis und einem Blick zurück auf den Brocken, von dem wir gekommen waren, belohnen:

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Kommentare:

  1. Ein Ausflug mit Hindernissen, aber sehr gut
    geschafft.

    Viel Freude und Sonnenschein wünscht euch
    Elisabeth

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    1. Deswegen fahren wir auch gerne an die gleichen Orte, weil wir da wissen, wie wir mit unseren speziellen Situation gut zurecht kommen.

      Liebe Grüße

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  2. ...da habt ihr ja eine gute Lösung gefunden, liebe Muschelsucherin,
    denn der Weg ist wirklich sehr schön...bin ihn in den letzten Jahren zwei mal gegangen...

    lieber Gruß von Birgitt

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    1. Ja, schön ist der Weg wirklich. Das letzte Mal zu Fuß auf den Brocken bin ich von Wernigerode aus, da aber im Zuge eines Marathons.

      Früher sind wir häufiger den Goetheweg hoch und runter gewandert, aber das geht jetzt nicht mehr.

      Liebe Grüße

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  3. Planung ist wirklich alles! Klingt ja trotzdem nach einem schönen Ausflug - von den Stichen mal abgesehen (diese Viecher haben uns im Urlaub am Staffelsee auch heftigst geplagt!)!
    Die "Kabel-Hand" sieht übrigens - auch, wenn man weiß, was es ist - auch so noch gruselig aus!
    LG, Bianca

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    1. Der Ausflug war gelungen und die Stiche im Gesicht sind heute kaum noch zu erkennen.

      Liebe Grüße

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