Donnerstag, 12. Juli 2012

Autismus für Anfänger oder Wäscheverzweiflung

Für 4 Kinder, einen Ehemann und sich selber zu waschen ist schon einiges an Aufwand. Es ist einfach mehr Wäsche als in einer kleineren Familie.

Wenn dann aber ein Kind dabei ist, das aus Gewohnheit JEDES Kleidungsstück, was ausgezogen wird, sofort in den Wäschepuff schmeißt und dann gleich ein triefendes Handtuch obendrauf, dann werden es unbezwingbare Wäschegebirge.

Da unser Großer seine Gewohnheiten braucht, es autistische Züge sind oder sie ihm Sicherheit geben, ist da nicht viel mit Erklären, daß das so nicht geht, sondern es müssen neue Verhaltensmuster angebahnt und angewöhnt werden.

Wir haben jetzt DIE KISTE. In diese Kiste kommt morgens der Schlafanzug und die Nachtorthesen und am Abend die Hose und der Pullover, sowie die Tagorthesen.

Unterhose und Socken kommen in die Wäsche. Und die Kiste neben das Bett.

Noch stehen Kiste und Kind etwas auf Kriegsfuß und es bedeutet noch viel Arbeit und Hinterherrennen. Feste Muster sind nicht leicht zu durchbrechen. Neue zu bilden auch nicht. Aber die Wäscheerleichterung ist schon in den ersten Tagen spürbar.

Derzeit wehrt er sich gegen die Kiste, legt statt dessen die Hose über das Fußteil des Bettes. Auch gut, hauptsache nicht nach dem ersten Tragen in die Wäsche.

Wenn schon zur Erziehung eines Kindes ein Dorf erforderlich ist, dann braucht ein besonderes Kind wohl eine Großstadt. Leider aber steht man gerade bei dieser Aufgabe der besonderen Erzieung ganz besonders alleine da und bekommt leider keine konkreten, richtigen oder guten Anregungen. Bestenfalls von Außenstehenden vielleicht noch gut gemeinte aber völlig danebene Ratschläge. So hangelt man sich mit seinen mehr oder minder guten Ideen durch und hofft irgendwie den Alltag für Kind und sich richtig zugestalten.

Und immer schwingt die bange Frage mit, wer wird sich später darum kümmern?

P1070126


Kommentare:

  1. Ich mag ihn diesen Post. Ich fühl mich durch Dein Erzählen .... verstanden. Deine Sorgen verstehen wir auch so gut. Wer wenn wir nicht mehr da sind?
    liebe Grüsse
    Elisabeth

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    1. Das lese ich gerne. Ja, die Sorgen kennt wahrscheinlich jeder, der ein Kind hat, das nie ganz selbständig werden wird.

      Liebe Grüße

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  2. Die Sorgen sind da, sie bleiben. - Wir müssen sehen, wie wir damit leben.
    Ich denke mit viel Liebe an dich, und ich bete für dich.
    In Liebe
    Elisabeth

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    1. Das bedeutet mir sehr viel, liebe Elisabeth.

      Liebe Grüße

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  3. Hallo,
    Oh ja diese Frage schwingt immer mit.
    Und: für unsere Kinder gibt es einfach nicht DIE Lösung, man muss irgendwie für jedes Kind den eigenen speziellen Weg finden und damit steht man oft recht alleine da, da hast du recht.
    Ganz liebe Grüsse
    Conny

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    1. Aber das schöne ist, daß ich Euch virtuell habe und an Euren Erfolgen aber auch Sorgen teilhaben kann. So fühle ich mich weniger alleine und immer wieder bestätigt weiter zu suchen, was uns allen gut tut.

      Liebe Grüße

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  4. Moin Moin, du Liebe :)

    Ja, und genau aus diesem Grund - wegen wohl gut gemeinter, aber leider danebener Ratschläge - lasse ich nur liebste Grüße hier und schicke dir eine Ladung Energie, um die Wäscheberge zu bewältigen. Erfahrungen mit autistischen Kindern habe ich leider keine, deshalb halte meinen Mund.

    ich möchte dir nur sagen, wie gerne ich deinen Schreibstil mag, so offen und direkt.

    Liebste Grüße, Kirstin

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    1. Mein großer hat auch keine Autismus Diagnose. Aber sein Verhalten geht oft in die Richtung, was ein Ausfluß der Hirnschädigung ist. Da ist es oft nicht einfach damit umzugehen. Einiges kann man für sich nutzen, anderes ist sehr störend.
      Mit manchem arrangiert man sich, wo jemand, der nur kurz in die Familie schaut sich fragt, warum tut sie das. Ganz einfach, weil anderes vielleicht gerade wichtiger ist oder auch die Kraft ganz einfach fehlt. So nimmt man dann auch mal was hin, was vielleicht nicht gut ist.

      Viel Spaß hier weiterhin in unserer Nachbarschaft - das Wetter ist grätzig, ich hoffe, Ihr könnt die manchmal etwas spröde und gerade auch sehr nasse Schönheit dennoch genießen.

      Liebe Grüße

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  5. hm. ja, wer wird sich dann kümmern?
    Ich möchte mich noch nicht damit beschäftigen. Der Gedanke macht mir Angst. Die Idee mit DER Kiste find ich gut. Sollte doch klappen mit etwas Geduld.
    Und die wünsch ich dir jetzt mal.
    liebe Grüsse
    Tanja

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    1. Genau, Geduld ist mein zwieter Vorname *hust* Geduld meine herausragende Tugend (roll auf dem Boden vor Lachen) aber Geduld wurde mir auf die harte Weise beigebracht und so tausendfach belohnt. Mit kaum wahrnehmbaren lapidaren Winzigkeiten, die so wertvoll sind.

      Liebe Grüße

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  6. Zu dem Text kann ich nichts schreiben.

    Hübsches Fotos!

    Denke an Dich und sende viele Grüße
    Oona

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  7. Du Liebe- da fällt mir leider nix brauchbares ein- außer, dass auch ich für euch beten kann und werde. liebe Grüße

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  8. Du Liebe- ich les so gern bei dir und weiß oft kein gutes Wort. Ich werds mit ins Gebet nehemn- wir fahren nach Taizé demnächst..da ist viel Ort für alles was sich übers Jahr sammelt..ich werd auch dich bedenken.
    liebe Grüße

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    1. Ich wünsche Dir dort viel Spaß, Kraft und Ruhe und geistliche Erlebnisse und Erfahrungen.

      Ich freue mich für Dich und würde so gerne mitreisen.

      Liebe Grüße

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  9. Da hast du aber eine pfiffige Idee gehabt. Darauf muss man kommen - dieses Alibi zu schaffen. Viel Erfolg dem jungen Mann und dir/euch gutes Durchhalten, du Liebe!

    Danke auch für den Post zum Buch - und dessen Verfilmung.
    Ich seh mir auch lieber erst einen Film an - und lese dann das Buch.
    Sollte ich den Film zu Gesicht bekommen (ist hier nicht so einfach mit Kinogehen), dann werde ich nicht mit einer großen Erwartungshaltung hingehen, sondern diesen Film vll als seperate/ähnliche Geschichte versuchen zu sehen.

    Sei lieb gegrüßt! von Gisa
    (Die Wäscheberger kenne ich aber auch, wir waren auch mal 6 Personen ;))

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    1. Danke Dir. Ich werde bei Dir mal nachlesen, wie Dir der Film gefallen hat, oder hast Du noch gar nicht darüber geschrieben?
      Liebe Grüße

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  10. Ich lasse Dir liebe Grüsse hier
    Elisabeth

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  11. Bewundernswert, welche Kreativität einsetzt, um ein Leben zu ermöglichen, was ohne streß abläuft, wobei ich mir vorstellen kann, dass innerer streß oft vorhanden ist. Aber wenn ich dich so lese, erlebe ich eine geduldige Mutter, die ihre Familie über alles liebt....tut gut, dich zu lesen! Liebe Grüße, Luise-Lotte

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    1. Naja, Geduld ist nicht meine Stärke, aber man wächst mit seinen Aufgaben - bzw man muß.

      Liebe Grüße

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  12. Ich sag jetzt mal Hallo, bin über Nähumwege über deinen Blog gestolpert und gerade diese Beschreibung der Verhaltensauffälligkeiten bei behinderten Kindern fand ich so zutreffend, dass ich jetzt doch einfach mal kommentieren muss. Wir kennen das auch zu gut, auch wenn die Behinderungen unserer Kinder in versch. Bereichen unterschiedlich sind.
    2 Jahre habe ich (ich sage bewusst nicht wir, weil in der Hauptsache mache das schon ich) gebraucht, um dem Kind beizubringen, wie man sich mit Einschränkungen anzieht, also zumindest die einfachere Sommerkleidung. Die Techniken hat er so einigermaßen verstanden, ich hoffe es dauert dann auch nur noch zwei Jahre bis er diese Fähigkeiten ohne gebetsmühlenartige morgendliche Wiederholungen (jaja, die Geduld, auch meine Stärke) und ohne Dauergemecker meinerseits alleine umsetzen kann. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, wirklich.
    Das mit den autistischen Zügen haben wir auch.

    Alles Gute!
    frifris

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