Freitag, 16. März 2012

Familienstand: "noch nicht getrennt oder geschieden"

Gestern war ich zu einem Gespräch in der neuen Schule, die J. jetzt seit den Sommerferien besucht. Es wird Zeit für ein Gutachten, damit auch offiziell ein Förderschwerpunktwechsel stattfinden kann.

Jedenfalls mußte ich dann verschiedene Fragen beantworten, bzw einige Fragen beantwortete die Lehrerin selber, weil sie es ja schon wußte und bei Familienstand murmelte sie: Noch nicht getrennt oder geschieden.

Ich mußte soo lachen. Aber es wirft natürlich auch ein bezeichnendes Bild darauf, welch Erfahrung die Lehrer mit den Ehen der Eltern ihrer besonderer Kinder machen.

So ähnlich ist es mir auch bei einer Narkosevoruntersuchung gegangen. Der Arzt schaute uns gar nicht recht an und leierte seinen text runter. Dann kam der Satz: "Ich gehe davon aus, daß Sie das alleinige Sorgerecht haben?". Ich verneinte. "Weiß der Kindsvater von der geplanten OP?" - Ja- "Besteht noch so viel Kontakt zu dem Kindsvater, daß die Möglichkeit besteht, daß auch er die Einwilligung unterschreibt?"

Ich mußte dann loswerden, daß ich mit dem Kindsvater nach wie vor verheiratet bin, er der Vater aller meiner Kinder sei und ich ihn täglich zu Hause sehe und daher selbstverständlich die Möglichkeit bestehe, die Einwilligung zu unterschreiben.

Da schaute er mich der Arzt das erste Mal an.

Es scheint wohl wirklich so zu sein, daß verheiratete leibliche Eltern eines behinderten Kindes eher Auslaufmodelle sind.

Natürlich habe ich mich mit der Lehrerin, der es sehr peinlich war, noch über den Hintergrund dieses Spruches unterhalten. Sie sagte, daß Väter eben gerne verschwinden, wenn es schwierig wird.

In einem Chat von Eltern behinderter Kinder brachte mal ein Vater einen Einwand gegen dieses Argument vor. Er fragte, ob sich die Mutter nicht schon lange vor der Trennung einen neuen Partner gesucht habe, nämlich das zu pflegende Kind.

Beide Aussagen sind plakativ, aber man sollte beide beleuchten. Mir jedenfalls hat der Vater die Augen geöffnet und ich habe mich darauf besonnen, neben der Mutterrolle auch noch Ehefrau zu sein.



Kommentare:

  1. Ich finde es toll, wenn Familien zusammenhalten, gerade, wenn andere Herausforderungen auf sie zukommen.
    Bei uns war es nicht der Fall, aber nach meiner Erfahrung, war bzw ist es so ok, wie es jetzt ist.
    Ich wünsche euch weiterhin einen geglückten Zusammenhalt.
    pfiati

    Valentina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das heißt ja auch nicht, daß es das bessere Familienmodell sein muß - nur ist es eben selten geworden ;-)

      Liebe Grüße

      Löschen
  2. hmmm... an der Aussage von dem Papa ist sicher was dran. Das lass ich mir jetzt durch den Kopf gehen. Letztendlich fällt es auch mir unglaublich schwer am Abend wirklich abzuschalten. Ich bin viel in speziellen Foren unterwegs, hole Infos, schreibe Briefe an die KK.... Mein Mann schaut unterdessen spannende Dokos im TV oder liest ein gutes Buch.
    Zu solchen Dinge muss ich mich oft "zwingen". Ich häng da doch mehr drinnen..... Gemeinsame Zeit nehmen wir uns aber wirklich regelmäßig ganz bewußt füreinander. Sonst würde eine Partnerschaft unter diesen Bedingungen nicht funktionieren - denke ich.
    liebe Grüsse
    Tanja

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich denke, das was Du beschreibst ist einfach Eure Aufgabenverteilung und so lange Ihr Eure bewußten gemeinsamen Zeit Euch nehmt ist alles im Lot. Anders sieht es aus, ob Du Dir nicht auch Auszeiten im Kopf nehmen solltest, also die Doku opder das gute Buch ;-) so von Zeit zu Zeit. Damit Du auch weiterhin die Kraft für alles hast, denn es ist ja "lebenslang".

      Liebe Grüße

      Löschen
  3. Wegen Eva habe ich eben nochmals bei Google geschaut,
    also: Der ganz normale Wahnsinn, Nellystories.

    Die Problematik mit den Ehen besteht schon bald 50 Jahre lang.
    Es ist ein schwieriges Kapitel.

    Ich bin unverheiratet, aber aus einer harmonischen Ehe. - So harmonisch
    war auch unser Familienleben.

    Sonnige Grüße
    Elisabeth

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, die Belastung ist nunmal durch ein krankes oder behindertes Kind sehr erhöht und das fordert Tribut.

      Liebe Grüße

      Löschen
  4. Ganz aktuell: Der Robert-Papa war allein zum Unterschreiben der Schulanmeldung für das Kind. Ich war krank. "Haben Sie das alleinige Sorgerecht? Meinen Sie die Mutter unterschreibt hier mit?"...unser Erlebnis vor zwei Wochen. Dann, am Mittwoch hab ich Robert in die Schule gebracht, war ja vorher sein Arzttermin. Ich treff die Zweitlehrerin, wir haben uns noch nie gesehen? Wir reden ein bisschen und dann: "Ach so, Sie sind NOCH verheiratet!" Ihr war es dann peinlich. Leider hatten wir keine Zeit mehr das zu vertiefen.
    Es ist tatsächlich schwieriger mit einem behinderten Kind als Paar. Er ist ja der Jüngste meiner fünf u. ein Stiefsohn. Bei all den anderen Kindern war das Leben als Paar einfacher, spontaner. Schau, wir haben nun viele Monate eine Kurzzeitpflege ab und zu am Wochenende gehabt. Lang das Kind dorthingewöhnt. Nun ist das vorbei...da gleicher Träger wie Einrichtung (HPT, die ihn ausgeschlossen hat). Er "kann" dort nicht mehr genommen werden...
    und es ist nichts anderes da, alles ausgebucht für Jahre ....
    Wir merken das schon als Paar, dass nun die Wochenenden gar nichts mehr spontan auf unserer Erwachsenenebene zu machen ist.
    Ich kenn viele Mamas aber auch Papas von behinderten Kindern die allein sind...
    aber auch in Susannes Kinder ist es fast nicht mehr anders...
    liebe Grüsse
    Elisabeth

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ah, noch eine mit Familienstand "noch verheiratet". Grins.

      Die Belastung ist nunmal enorm hoch. Man hat ein Kind mit Pflege- und Sorgeaufwand, das einem Klein, oder Kleinstkind entspricht. Eine Belastung, die man eigentlich nur 1-3 Jahre oder so haben sollte, wenn es normal abläuft und wir machen es jahrelang und haben dazu noch unnötige Kämpfe zu führen. Das zehrt und die Auszeiten sind selten und auch teuer erkauft, entweder in Geld, oder blöden Geschichte wie bei Euch, müssen geplant werden, kosten Zeit (Hinbringen, Abholen). Selbst die erkauften Auszeiten sind kein Äquivalent, was man man als "normalo" Eltern an Freiheit gewinnt, wenn die Kinder größer und selbständiger werden.

      Dazu wissen wir, daß wir lebenslang verantwortlich sind. Selbst bei Wohnheimsunterbringung usw, sind wir gefragt, da auf die Finger zu schauen, ob es unseren Kindern gut geht.

      Liebe Grüße

      Löschen
  5. Hallo !

    Ich habe letztens auch gestutzt, als ich zum Erstgespräch für die Ergotherapie unserer Tochter war. Auch dort wurde nämlich nach dem Familienstand gefragt :-)

    Viele Grüße
    Andrea

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Und wurde Dir auch ein bestimmter unterstellt? ;-)

      Liebe Grüße

      Löschen
  6. Man wird ja schon ohne besonderes Kind bisweilen gefragt "Haben alle denselben Vater?". Oder es wird verwundert einfach nur festgestellt.
    So gind es meiner Mutter, welche 2 größere und 2 jüngere KInder hatte und mir gehts obwohl ich nur 3 Kinder habe sogar auch schon so.
    Verrückt.

    Wieviel öfter muss "das passieren", wenn man dann noch besondere Lebensumstände vorzuweisen hat?

    Danke für deine Zeilen und danke auch für den Link vor wenigen Tagen zu dem Artikel aus des Sueddeutschen. Fand ich sehr lesenswert und gleichzeitig sehr traurig.

    viele Grüße udn ein schönes Wochenende (ich verbings auf Arbeit)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. ielleicht sollte man auf die Frage so beantworten: Ja, sie haben alle den selben Vater, leider ist die jeweilige Mutter unbekannt ;-)

      Ich schick Dir mal einen besonders lieben Gruß auf die Arbeit - ich habe hier 4 Kiecherflips (Tochter plus Freundinnen) zur Übernachtungsparty mit Mitternachtspicknick....

      Löschen
  7. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

    AntwortenLöschen
  8. Ich frage mich gerade, ob dieses "mangelnde" Ehefrau sein nicht ein Problem der heutigen Ehen schlechthin ist? Bei all den Anforderungen, die wir uns aufgehalst haben (Erfolg im Beruf, zig Ehrenämter, Masse an selbstverwirklichenden Freizeitaktivitäten...) und greife mir dabei selbst an die Nase.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ups, wo ist denn meine Antwort hin.

      Wollte sagen, daß da auch einige Väter mangelnd sind, daß das aber letztendlich freiwillige Aufhalsungen sind, die Pflege eines Kindes aber einfach da ist und sich nicht so einfach delegieren läßt.

      Liebe Grüße

      Löschen
  9. Wir haben euch mal in die Tagger-Aktion miteinbezogen, wäre schön, wenn du mitmachst.
    wir wünschen euch ein schönes Wochenende voller Sonnenschein.
    pfaiti

    Valentina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Stehe auf dem Schlauch, welche Tagger Aktion - aber bei Aktionen bin ich immer gerne dabei ;-)

      Liebe Grüße

      Löschen
  10. Wenngleich wir kein behindertes Kind haben, wurden wir bei der Schwangerschft der Twins gefargt ob denn alle vom gleichen Mann seien (Frage wegen eventueller Erbkrankheiten). Stolz und klar habe ich das bejaht und bin ebenso stolz, dass ich trotz meiner erst 41 den gleichen Mann schon seit 22 Jahren habe. Auch wenn es manchmal schwer ist und sehr schwer war. Es geht auch so. Also lass dich nicht beirren. LG Kirsten

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, ich denke auch, daß es auch ein Grund ist stolz zu sein, gemeinsam so an der Beziehung gearbeitet zu haben, daß man alle Probleme bisher zusammen geregelt bekam.

      Liebe Grüße

      Löschen