Dienstag, 28. Februar 2012

vom Leben

Seltsam nach einer so schlimmen Nachricht ins normale Leben zurückzukehren. Man kommt sich verräterisch den Freunden gegenüber vor, die niemals wieder ein normal, niemals wieder ein richtig gut, immer nur noch ein anders erleben werden.

Seltsam auch wie sich einige Lehrer benehmen und selbst im Angesichts des Todes im wiederholten Falle jede Form eines angemessenen Verhaltenkodexes vermissen lassen.
Wobei das zugegeben auch die absolute Minderheit ist und diese auch in der Elternschaft unisono unabhängig von diesen Vorfällen -sagen wir es extrem höflich- nicht gemocht werden. Es kann doch nicht so schwer sein, sich an den alten Grundsatz zu halten: nihil nisi bene, wenn man denn schon kein echtes Mitgefühl hat.

Seltsam auch wie relativ alles andere erscheint.

Am Donnerstag wird die Beerdigung sein.

Ich hoffe, den Eltern wird es irgendwann ein Trost sein können, daß sie, so wie ich es beurteilen konnte, unheimlich viel tolle Zeit mit ihrem Sohn verbracht haben.Sie haben alles getan, um ihm ein schönes Leben zu bereiten und ihn umliebt. Das trat in allen Aktionen zu Tage.

Wie unterschiedlich Lebenswege sind. Zum 13. Geburtstag bekam unser Sohn einen Brief vom Opa, der gerade in dem gleichen Alter aus Breslau nach Dresden geflohen war, um dann dort den Bombenangriff mitzuerleben.




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Kommentare:

  1. Mehrmals habe ich versucht, angemessene Worte zu Deinem vorigen Post zu finden. Habe getippt, gelöscht, getippt, wieder gelöscht - so furchtbar hart kann das Leben sein, da fehlen einem/mir schon mal die Worte.
    Aber wie kann man als Lehrer solch unangebrachtes Verhalten an den Tag legen??? Ich bin erschüttert und wünsche der Familie ganz viel Kraft.
    Liebe Grüeß
    Susanne

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  2. Bleib wie Du bist. Nein, da musst Du Dir nicht verräterisch vorkommen. Niemand ist da "neidisch" oder böse weil Du Deine Kinder noch hast. Das sind die eigenen Ängste, aber Eure Freunde brauchen Euch so normal wie möglich.
    Als der Bub meiner Freundin starb, Robert und er waren gleichalt, da hat sie sich ganz viel mit ihm beschäftigt, und einmal sagte sie zu ihm "bleib Du bei uns, ein Engel reicht schon!"... vorher hab ich auch oft gedacht, oh Gott, wie geb ich mir ihr gegenüber, denkt sie wenn sie Robert sieht "warum meiner, nicht er". Mittlerweile haben wir offen schon oft über das Thema gesprochen, und es waren da keine Gedanken in diese Richtung bei ihr und dem Papa.
    Jetzt wird es noch kein Trost sein, weil sie die schönen Zeiten nicht sehen können. Es tut weh, es ist ein grosses Vermissen, eine unglaubliche Sehnsucht nach dem Kind da. Aber irgendwann tröstet es dann schon wenn man Bilder anschaut, reden und erinnern darf. Und das wird schön sein, wenn Du dann auch noch da bist. Es aushältst wenn immerwieder vom Sohn gesprochen wird.
    Aber auch jetzt, lasst sie nicht allein. Es muss ja nicht geredet werden, einfach da sein, in den Arm nehmen und auch "normale" Sachen reden!
    Für meinen Papa war es so schlimm dass ihn die Menschen aus dem Weg gingen. Sie wussten wohl nicht was sie sagen sollten. Und er war allein und stand am Grab... und alle schlichen vorbei. Er hat sich oft gewünscht, dass doch mal einer stehenbleibt und mit ihm redet. Über den Sohn, über die Welt... einfach nicht vorbeigeht!
    Viel Kraft für die Beerdingung, bleibt eine Schulter zum anlehnen für Eure Freunde. Verstehen kann ich das auch nicht, warum immerwieder das Leben solche traurigen Abschiede aufzwingt.
    Robert will, wenn er in den Himmel kommt gleich den lieben Gott fragen warum er Kinder sterben lässt. Leider leben wir mit vielen Kindern, die schon gegangen sind. Und Roberts Fragen kann ich nicht beantworten. Und deshalb betet er oft "ich komm mal zu Dir und dann erklärst Du mir das aber, lieber Gott!"
    alles Liebe
    Elisabeth

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  3. Manchmal weiß man nicht wie man reagieren soll,weil man selber zu geschockt ist.Aber ein unangebrachtes Verhalten ist hier völlig fehl am Platz.Da sieht man mal wieder wie krank die Menschheit teilweise ist.
    Ich wünsche euch allen ganz viel Kraft für den Tag der Beerdigung.
    LG
    Nicole

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  4. Ich hab dafür auch keine Worte. Es tut mir unendlich leid für die Eltern.

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