Dienstag, 31. August 2010

Urlaub mit Au Pairs

Wir haben unsere Au Pairs öfter mit in den Urlaub genommen. Damit keine Fehlvorstellung aufkommt, es war selbstverständlich nicht ihre Urlaubszeit, sondern reguläre Arbeitszeit, die sie auch bezahlt bekommen haben.
Wir haben auch versucht ihnen im Urlaub die freien Tage zu geben, die ihnen zustanden. BZW wir haben sie vor die Wahl gestellt, uns auf einen Tagesausflug zu begleiten oder von uns zB in der nächsten Stadt rausgesetzt zu werden oder den Tag im Ferienhaus zu verbringen.
Dennoch hat sich die Erkenntnis durch die Jahre hinweggezogen, die Au Pairs mochten Urlaub nicht, im Gegenteil, sie empfanden es immer als eine Art Entführung weg vom Telefon und Computer. Dies zog sich wie ein roter Faden durch eigentlich alle Au Pair Jahre.
Während der Schwarzwald zu heiß und bergig war, wurde das anschließende Dänemark als zu flach, windig und kalt empfunden. Wir hatten ein Haus in den Dünen von Hvide Sande.
Auf dem Weg nach Baiersbronn hatten wir unsere Au Pairs faktisch samstags morgens aus der Disko abgeholt, dort eingesammelt und sie schlafend durch Deutschland kutschiert. Dies haben wir auf dem Weg nach DK nicht noch einmal gemacht.
Gerade der Sommergast hatte in DK ziemlich schlechte Laune. Später, aber erst nach dem Urlaub, stellte sich heraus, dass die Mens überfällig war und sie deswegen ziemlich blöd zwischen einem Polen hier in D und einem festen Freund in Polen stand. Dies machte aber uns auch den Urlaub schwer. Besonders steckte sie T. dann auch noch mit mieser Laune an.
Wir waren wahrscheinlich auch die einzigen, die vom 11. September 2001 nichts mitbekommen haben. Wir saßen ahnungslos in den Dünen an der Nordsee, zu blöde um den Satellitenempfang des Fernsehers einzustellen haben wir nichts mitbekommen.
Am nächsten Tag haben mein Mann und ich Brötchen geholt und ich flachste noch so, dass ich mal in den kleinen Minimarkt ginge, einen Blick in die Zeitung zu werfen. „Mal sehen, ob die Welt noch steht“, sagte ich zu meinem Mann und stand im nächsten Moment sprachlos vor der Schlagzeile der Bildzeitung, „Großer Gott steh und bei“ und darunter das Bild der brennenden Twin Towers.
Immer noch fassungslos kaufte ich die erste und einzige Bildzeitung meines Lebens. Wie unter Schock stehend sind wir ins Ferienhaus gewankt. Reaktion unseres polnischen Gasts war: Naund, da sind dann eben zwei Häuser kaputt gegangen, ein paar Leute gestorben, die Welt werde sich schon weiter drehen.
Ich war fassungslos, wie man so völlig anteilnahmslos über der Sache stehen konnte. Im Laufe des Tages suchten wir alle in der hyggeligen Ruhe auf Fanö irgendwie das Gefühl des Schocks unter Kontrolle zu kriegen. Das half ein wenig. Gaukelte es heile gemütliche Welt vor.
Den Kindern hatten wir ihren ersten Legolandbesuch versprochen. Dies wollten wir auch einhalten. So kauften wir für uns alle zum ersten Ausprobieren ein 2 Tagesticket.
Da wir noch ein Kind im Kinderwagen hatten und die beiden Jungen mit 2 und 4 auch noch für einiges zu klein waren, haben wir uns die Zeit so aufgeteilt, dass mal wir und mal T. und A. entweder ein Kind im Kinderwagen, mal die beiden Jungen oder mal gar kein Kind bzw alle Kinder hatten. So konnte jeder von uns alles sehen und fahren.
Zuerst haben wir die beiden mit den beiden Jungen losgeschickt, wir dachten, sie hätten bestimmt Freude, sich mit den Jungen in einige Fahrgeschäfte zu stürzen.
In der Zeit haben sich mein Mann und ich mit dem Töchterchen im Kinderwagen das Miniland angeschaut. Nach ca einer Stunde wollten wir dann tauschen. Auf die Frage , was sie denn alles schon gemacht haben, bekamen wir die Antwort: „Hier kann man doch nichts mit Kindern machen.“ Bedenkt, es war ihre bezahlte Arbeitszeit, in der sie die Kinder im Legoland bespaßen sollten. Ist doch ein so schlechter Job nicht, oder?
Naja, wir tauschten dann durch und unternahmen einiges mit den Kindern. Von einem Zug aus, sahen wir die beiden mit unserem Kinderwagen die Zeit auf einer Bank im wahrsten Sinne des Wortes absitzen. Dort saßen sie dann auch weiter, als wir alle Kinder nahmen und sie alleine durch den Park hätten streifen können.
Mein Mann und ich waren schon etwas auf 180. Die Zweitageskarten bedeuten, dass man an 2 aufeinander folgenden Tagen das Legoland besuchen muß. Eigentlich hätten wir die beiden am liebsten zu Hause gelassen, denn diese Muffstimmung wollten wir nicht ein zweites Mal ertragen und auch unseren Kindern nicht zumuten. Aber die Karten waren bezahlt, so sollten sie auch mitkommen.
So nahmen wir dann unsere Kinder und ließen sie bis zur Picknickzeit durch die Gegend streifen. Um 12.00 Uhr wurde dann der gesamte Park angehalten für 2 Minuten und eine Schweigeminute für die Opfer des Anschlages abgehalten.
Beim Picknick fragten die beiden, was denn diese Pause gewesen sei. Ich erklärte die Schweigeminute und es war fast, als wenn das es gewesen wäre, was ins Gehirn der beiden vorgedrungen ist, dass sie nicht die mißhandeltesten Kreaturen waren, weil sie jetzt 2 Wochen in Dänemark und davon noch 2 Tage im Legoland verbringen sollten.
Wie ausgewechselt waren die beiden und genossen noch einen Nachmittag das Legoland. Leider zu spät, aber immerhin. Danach wurde es dann viel besser mit dem Zusammenleben.


Problem dieser Schilderung ist, dass es vielleicht ein negativeres Bild auf unsere Au Pairs und die Au Pair Zeit wirft, als es gerecht wäre.
Die Vielzahl der Tage, an denen wir gut zusammen lebten, sie sich wunderbar mit unseren Kindern beschäftigt haben und alles gut lief, sind ja die absolute Mehrheit, ja weit über 95 % wahrscheinlich. Berechnet habe ich es nie, aber das sind ja kaum Ereignisse, über die man schreibt.
Dennoch prägen sie für uns natürlich die Gesamtsicht auf die Au Pair Zeit. Ich bitte die Leser, das auch zu bedenken und zu berücksichtigen und in die Zwischenräume zwischen den Ereignissen eigenständig in Gedanken einzufügen.


Muschelsucher

Montag, 30. August 2010

Warum ein ukrainisches Au Pair

Wir haben uns bewußt für ein Au Pair Mädchen aus der Ukraine entschieden.

Ich war da mit meinem Sohn zweimal in Truskavetz zur Therapie und wir haben eine unglaubliche Freundlichkeit erfahren. Diese wollten wir in gewisser Weise zurück geben.

Im Laufe des Au PAir Jahres kristallisierte sich heraus, daß eine Stiftung die Kosten für einen weiteren Therpieaufenthalt in der Ukraine übernehmen würde. T. bot an, J. dorthin zu begleiten. Dieses Angebot haben wir gerne angenommen und beide haben auf der Reise und der Therapie viel Spaß gehabt und T. hatte zumindest im Gegensatz zu mir keinerlei Sprachprobleme ;-)

Dort hat dann schon die Nachfolgerin von T., die den gleichen Namen trug, J. kennenlernen dürfen und sich ein Bild machen, auf welche Behinderungsform sie sich einzustellen hat und ob sie sich das zutraut.

Einen Therapiebericht habe ich im Jahr 2000 über unseren ersten Aufenthalt dort geschrieben.
Bei Interesse könnt Ihr den hier nachlesen:

http://muschelsucher.blog.de/2000/03/

Schon komisch, diesen Bericht aus dem jetzigen zeitlichen Abstand zu lesen und dem Wissen, was sich alles entwickelt hat und was stagnierte ;-)

Muschelsucher

Sonntag, 29. August 2010

Exotische Fauna und Flora im Schwarzwald

Nur zur Erinnerung, wie sind mit unserm Au Pair T. aus der Ukraine immer noch im Schwarzwald.
Wir hatten eine tolle Ferienwohnung. 4 Zimmer, Küche, Terrasse mit Blick ins Tal und hinter dem Haus gingen die Wanderwege los.

Diese Wege nutzte T. gerne, sie war gerne in ihrer Freizeit unterwegs und erkundete die Natur,

So auch am ersten Abend. Mein Mann und ich waren nach der langen Fahrt quer durch Deutschland geschafft und wollten früh ins Bett. Ich kam noch ins Gespräch mit unserem Nachbarn. Ich habe mich sehr lange und nett mit ihm unterhalten, stellte fest, dass wir Fischköppe und die Schwaben doch gut miteinander können und ich keine Sprachprobleme zu befürchten habe. Später stellte sich raus, dass unser Nachbar gerade aus Itzehoe dahingezogen ist – aber ich fühlte mich auch unter den Schwaben da wohl ;-).

Nunja, wir verzogen uns dann in die Betten und T. wanderte. Dabei stieß sie dann auf ihr unbekannte Tiere, die sich auch einfing, um sie unseren Kindern am nächsten Tag zu zeigen und mit in die Wohnung brachte.

So kam es dann, dass mein Mann bei einem schlaftrunkenen nächtlichen Badbesuch in eine Nacktschnecke trat.

Diese hauslosen Viecher auf ihrem Siegeszug von Spanien aus noch nicht bis ins Donetsk Becken vorgedrungen und waren T. daher völlig unbekannt und sie war ganz begeistert von ihnen.


Muschelsucher

Samstag, 28. August 2010

Baiersbronn

In dem Sommer, kurz nach der Geburt unserer Tochter, sind wir nach Baiersbronn in das Therapiezentrum Iven aufgebrochen. Wir wollten da die Padovanübungen erlernen, ebenso in die Castillo Morales Therapie in einer Intensivwoche eingewiesen werden. Wir erhofften uns davon einen Anschub hinsichtlich der Sprache bei J.

Wir hatten diesbezüglich keine Therapeuten hier vor Ort. J. hatte große Probleme mit der Mundmotorik. Aber wir bekamen hier keine Unterstützung. Wir hatten nur einen Logopäden im Ort, der bei der Vorstellung beim Gesundheitsamt mir was von Sprachtyrannen erzählte und ich wusste, dass er wohl die Problematik meines Sohnes nicht auch nur im Ansatz überriss.

So machten wir uns von der Küste auf in den Schwarzwald nach Baiersbronn.

Wir hatten dort eine wunderschöne Woche. Der Schwarzwald präsentierte sich in bester Sommerlaune. Die Intensivwoche hieß so, weil sie intensiv war.

Wir alle, also mein Mann, T. und ich haben uns in die Padovanübungen einweisen lassen. Wir haben erlernt, was wir wie mit den einzelnen Bestandteilen der Mundtüte machen sollten und lernten einzelne auf J. zugeschnittene Griffe und Techniken nach Castillo Morales.

T. war mit Feuereifer dabei.
Wenn ich an sie zurück denke, sehe ich, wie sie korrekt und zuverlässig, wie sie war, mit einer unendlichen Geduld mit J. diese Übungen durchführte. Jeden Tag, Monat für Monat.

Sprachanschub hat es nicht gebracht, aber Stabilität in der Motorik und eine bessere Mundmotorik. Gut zum Essen, leider nicht zu Sprechen benutzt.


Muschelsucher

Freitag, 27. August 2010

Zu Tisch bitte

Eine große Diskrepanz des Lebens bei uns und der Ukraine scheint die Einnahme der Mahlzeiten zu sein.

Wir essen in der Küche, fangen gemeinsam an, beenden sie gemeinsam. Normalerweise ist es der familiäre Kommunikationsknotenpunkt des Tages.

Anders schien es bei fast allen Au Pairs zu Hause abzulaufen. Uns erschien es so, dass fast überall zu Hause bei den Mahlzeiten der Fernseher gelaufen ist. Kommuniziert wurde bei den Mahlzeiten gar nicht. Angeblich sei das unhöflich – komisch, sind sie doch alle so stolz auf ihre Feier- und Geselligkeitskultur. T. hatte dazu die Angewohnheit beim Essen leise vor sich hin zu summen.

Es hat überhaupt einige Zeit gedauert, bis ich sie davon überzeugte, dass auch sie am Anfang der Mahlzeit sich mit an den Tisch setzen möchte und da auch sitzen bleibt, bis sie beendet sei. Sie sprang immer wieder auf, rannte durch die Gegend, musste noch schnell was erledigen. Nur kann ich unter solchen Begleitumständen nicht von meinen Kindern verlangen, am Tisch sitzen zu bleiben.

Das Problem kriegten wir in den Griff. Die Stille blieb. Sie blieb auch für Jahre.

Besonders stellte sich heraus, dass alles jenseits von Polen mit meinem Mann nicht sprach. Das war immer eine blöde Situation. Er kam sich schon richtig komisch vor.

Das machte aber auch für mich alles anstrengender, denn jede Planung, jede Erklärung, jede Ansage von Aktivitäten blieb mir überlassen.

Auch am Wochenende. Wie oft hätte ich mir gewünscht, dass mein Mann einmal mit Kindern und Au Pair ein Museum aufsucht, einen Park, eine sonst wie geartete Freizeitgestaltung betreibt, damit ich einmal alleine durchschnaufen kann. Aber alleine mit meinem Mann haben sie letztendlich nichts gemacht, bzw mein Mann weigerte sich auch mit stummen Puppen durch die Gegend zu fahren.

So habe ich dann meinem Mann auf diese Weise freie Zeit für sich verschafft, kam selber aber leider nie – oder selten - in den Genuß.

In dieser Stille war es von Vorteil, dass T. nach den Bachblüten Tropfen nonstop redete, so kam wenigstens kein beklemmendes Schweigen auf, wenn ich mal nicht da war.


Muschelsucher

Donnerstag, 26. August 2010

Die ersten Tage mit T.

Die ersten Tage mit einem neuen Au Pair sind für beide Seiten sehr kräfteraubend. Beide müssen sich aufeinander einstellen, viele Behördengänge erledigen, Sprachbarrieren überbrückt werden, ggf. technische Probleme wie kyrillische Buchstaben auf dem Computer, schlechte Verbindungen ins Heimatland, günstige Vorwahlen für die Heimatgespräche suchen usw.

Wenn man dann auch noch in der Endphase schwanger ist, kippt man abends erledigt ins Bett. Hilfe ist ein Au Pair in den ersten Tagen kaum.

Man merkte auch, dass T. doch recht weit aus dem Osten kam. Vieles, was bei A. selbstverständlich war, fehlte an Fähigkeiten bei T.
Sie konnte nicht schwimmen und nur rudimentär Fahrradfahren.

Sie hatte den Führerschein, aber konnte letztendlich nicht Auto fahren. Sie war nur mit dem Fahrschullehrer auf kleinen Straßen außerhalb des Ortes bis höchstens im 3. Gang gefahren. Sie hatte noch keine Kreuzung überwinden müssen, an keine Ampel gehalten. Vorfahrtsregeln kannte sie aus der Theorie aber hatte sie in der Praxis nicht anwenden können.

Wir merkten bald, dass sie nicht gleichzeitig schalten und auf den Verkehr achten konnte. So haben wir sie bei der hiesigen Fahrschule angemeldet, damit sie nochmals einen Schliff bekam. Dabei ist aber auch nichts herausgekommen, außer dass sie sich in den Fahrlehrer verliebte.

Also haben wir Auto Auto sein lassen und versucht ihr das Fahrradfahren mit Kinderanhänger näher zu bringen. Dies war für alle die weniger gefahrvolle Variante.

Was auch bemerkenswert war, war die Selbstaufgabe des eigenen Lebens. Sie war auf der Suche nach einem Glück. Einem Glück außerhalb der Ukraine. Dabei ging es ihr im wesentlichen nicht um sich, sondern um die Zukunft ihrer Kinder.

Sie hatte sich auf einem Onlineportal als heiratswillige Ukrainerin in den USA angeboten und so auch so manchen Brieffreund gefunden. Hochzeitspläne inklusive.

Wir hatten uns die Seite damals angesehen. Ca 14000 Ukrainerinnen boten sich an, mindestens doppelt so viele Russinnen auch noch. Man konnte da die Frauen in den Warenkorb legen und dann dafür bezahlen, die Kontaktinfos für sie zu bekommen.

Es war erschreckend, warf es doch ein grausam klares Bild auf die Misere der Menschen.

Noch erschreckender, wenn auch das nicht verwunderlich war, war was an Männern antwortete.

„Sweet peaches“ nannten wir einen ihrer Verehrer, weil so immer seine Briefe an sie anfingen. Er schickte Bilder von sich, auf denen er wie ein Neonazi aussah. Ob er meinte, damit in Deutschland besonders zu punkten weiß ich nicht. Diese (Brief) Beziehung zog sich über das ganze Jahr bei uns hin. Ich redete immer wieder auf sei ein, sich nicht darauf einzulassen.

Gegen Ende des Au Pair Jahres wollte Sweet Peaches sie besuchen kommen, aber er hätte angeblich keine Möglichkeit an einen Paß zu kommen, weil er für die national security arbeitete. Mir wollte sie nicht glauben, dass das mehr als fischig klang. Die einzigen Gründe, die ich kenne, dass die Reisefreiheit eines US Amerikaners beschränkt wird (abgesehen vom finanziellen) ist, dass er im Gefängnis sitzt, unter Hausarrest steht oder als Soldat im Kriegseinsatz ist. Letzteres war auszuschließen und die Alternativen waren keine Guten.

Ich bat einen amerikanischen Freund mit ihr darüber zu sprechen, ich weiß nicht was er sagte, aber es schien Eindruck hinterlassen zu haben.

Letztendlich ist sie nach dem Jahr bei uns dann doch nach Hause gereist und hat ihr Studium in der Ukraine beendet, hat ein weiteres Au Pair Jahr in Österreich angeschlossen und dort dann studiert. Dieser Werdegang gefällt mir viel besser, ich hoffe Ihr auch.

Jetzt bin ich hier schon am Ende des Au Pair Jahrs angekommen, obwohl die Überschrift doch „die ersten Tage“ lautet. Ich wollte gar nicht so abdriften.

Also die ersten Tage waren gekennzeichnet von aktivem Kennenlernen. Am ersten Tag stieß sie sich an unserem Auto recht heftig den Kopf, an den folgenden Tagen nutzte sie Strandspaziergänge, um mit dem Hinterkopf auf die einzigen Steine hier zu fallen, und sich an den Steinbuhnen eine Kopfplatzwunde zuzuziehen.

Wir sind dann in die Ambulanz ins KH gefahren, wo wir immer wieder Richtung Kreißsaal dirigiert wurden, stand ich doch ein paar Tage vor der Niederkunft und jeder meinte, es sei jetzt wohl soweit.

Es war dann ja auch bald soweit und dann wurde T. ins kalte Wasser geschmissen und musste schwimmen, denn ich war ja nicht mehr da.

Sie machte es bemerkenswert gut.

Als ich mit unser Tochter dann wieder zu Hause war, hatte ich Schwierigkeiten mein Kind zu versorgen, denn ich durfte kaum an sie ran. T. hatte sie adoptiert. Als ich dann leider das Stillen einstellen musste, denn aufgrund einer Herzproblematik (persistierender Ductus ateriosus – hat sich nach 5 Monaten von selbst verschlossen) hatte unsere Tochter zu wenig Kraft zum Trinken, gab es noch nicht einmal einen Vorwand, wieso ich sie füttern musste. Mir wurde mein Kind einfach abgenommen, was bei mir Panik und schlimmsten Baby blues auslöste.

Weil die intensive Krankengymnastik mit dem Großen und das neugeborene Kind doch viele Kräfte brauchten, luden wir eine Freundin von A. ein, die Sommerferien bei uns zu verbringen. Sie half uns ein weinig und frischte ihr Deutsch auf. Sie war in der fröhlichen Runde dabei, als der Herr vom Arbeitsamt gekommen war.

Sie kam wenige Wochen nach der Geburt von unserer Tochter.

Zuerst war T. gar nicht angetan Verstärkung zu bekommen, aber letztendlich haben beide die Zeit sehr genossen und hatten viel Spaß zusammen.

Viele Dinge; die für uns selbstverständlich sind, mussten vermittelt werden. Wir wuchsen damit auf, den Kühlschrank immer wieder zu schließen, nicht mit fließendem heißen Wasser zu putzen, die Heizung am Thermostat und nicht mit dem Fenster zu regulieren, die Heizung bei längerem Verlassen des Zimmers runterzudrehen usw.

Das waren alles Dinge, die wir täglich immer wieder T. nahe bringen mussten. Dazu kam eine absolute Abneigung gegen alle technischen Geräte. Sie wollte alles mit der Hand spülen. Sie bestand darauf, ihre Wäsche mit der Hand (unter fließend heißem Wasser) zu waschen usw.

Mit Engelszungen versuchten wir sie davon zu überreden, dass die Kleidung die Wäsche überleben wird, es wirklich ökologischer ist usw. Wir haben Waschnetze besorgt, falls sie Hemmungen hat, ihre Wäsche mir zum Waschen zu überlassen, aber so recht hat sie nirgends angebissen. Das war ein harter Kampf – und so ganz haben wir ihn nie gewonnen.


Muschelsucher

Verkündet doch glatt die Frankfurter Rundschau, mein Mann habe eine neue Partnerin ;-)

Journalisten - da kann man nur den Kopf schütteln.

Es soll ja wirklich Beziehungen geben, bei denen die Frau aus der Zeitung von der neuen Partnerin des Ehemannes erfährt, hier hat aber der Journalist definitiv nicht richtig zugehört und meinen Gatten zur Partnerin von Nina Blazon erklärt. So in einem Bericht über eine Lesenacht:

Autoren hautnah kennenlernen


Mehr noch, das Publikum hatte die Gelegenheit, seine Autoren hautnah kennenzulernen. Pauline (11) und Mila (9) zum Beispiel sind zufällig vorbeigekommen. Als sie hören, dass hier „richtige Schriftsteller“ zu Gange sind, stürzen sie sich gleich auf Nina Blazon, die mit ihrem Buch „Polinas Geheimnis“ die Lesung eröffnet. „Wie lange haben Sie an dem Buch geschrieben?“, will Mila wissen und ist überrascht, dass es nur zwei Monate waren. „Das war so spannend und ging deshalb schnell“, sagt Blazon und verrät, dass sie die Idee zu der Geschichte über eine gestrandete Meerjungfrau hatte, als ihr Partner ein neues Au-pair-Mädchen einstellte.
Fantasy-Literatur hat mehr mit der Realität zu tun, als mancher annimmt.

Quelle: http://www.fr-online.de/rhein-main/main-taunus/der-besuch-des-elfenkoenigs/-/1472862/4581974/-/index.html



Muschelsucher

Und dann kam T.

Und dann kam T.

Sie packte im fernen Donetsk Becken ihre Koffer. Mußte sich auf eine lange Reise für 2 Tage nach Kiew machen, um dort in den Bus nach Bremen zu steigen, was ja nun auch nicht gerade um die Ecke ist.

Ich bewundere immer wieder, welch Mut diese jungen Frauen aufbringen, halb um die Welt zu fahren, um ein 365 Tage Blind Date mit einer Familie einzugehen, die sie nur über Briefe kennen.

Klar, dieses 365 Tage Blind Date sind wir auch eingegangen. Aber wir hatten immer noch uns als Familie und unseren Heimvorteil. Das Risiko ist um ein vielfaches höher auf Seiten des Au Pairs.

So standen wir am internationalen Busbahnhof in Bremen und sahen Busse von Orten ankommen, die kaum 10 Jahre zuvor noch vom eisernen Vorhang von uns abgeschnitten waren.

Es hatte etwas Weltstädtisches die Fahrpläne Bremen- Warschau, Bremen – St. Petersburg, Bremen- Murmansk usw zu lesen.

Und dann kam auch der Bus mit unserem Au Pair Mädchen.

Sie stieg aus und sah aus wie Schneewittchen. Lange tiefschwarze Haare bis zum Popo. Weiße Haut, wunderschöne braune Augen.

Total müde von der langen Reise ließen wir sie erst einmal schlafen.

Sie hatte guten Deutschunterricht gehabt und eine unheimlich gute Basis mitgebracht. Dennoch wollte sie in den folgenden Tagen mit uns erst Englisch sprechen. Sie war sehr ehrgeizig und schrieb wo immer sie war, Vokabeln auf und lernte. Am Ende des Jahres hatte sie Faust gelesen.

Der Unterschied zu A. hätte kaum größer sein können. T. war lieb und nett und bemüht, aber während A. sich irgendwo hinsetzte und alle Kinder, egal ob unsere oder Besuchskinder sofort auf ihr draufhingen, hatte T. eine unnahbare Aura, die die Kinder zuerst davon abhielt, wirklich Kontakt zu ihr aufzunehmen.
Aber genau wie mit der Sprache, sie hat es einfach gewollt und mit viel Intelligenz und schlichtweg dem Wunsch, ein Au Pair zu sein, ist sie ein ganz tolles Au Pair geworden, wenn auch die erste natürliche Affinität zu Kindern so gar nicht vorhanden war.

Auf den ganzen Behördenwegen haben wir ihr auch die Stadt gezeigt und wollten mit den Kindern noch Entenfüttern gehen. In der Bibliothek kam es dann zu einem netten Ereignis.
Nachdem wir für sie einen Leserausweis haben anlegen lassen, wollten wir die Bibliothek verlassen und zum Ententeich gehen.

Sie rief: Jungens kommt, wir wollen Enten fressen gehen.

Man warf uns doch ein paar erstaunte Blicke zu.

Wie das Zusammenleben weiterging und wir mit der Waschmaschinenphobie umgingen, ist der Fortsetzung vorbehalten.

@ Franzi: Die „Fressmade“ kommt auch noch dran, aber vorher müssen noch 2 Kinder geboren werden und einige Au Pairs kommen und gehen.

Wer Lust auf ein Märchen und mehr Au Pair hat, sollte einen Blick in das Buch Polinas Geheimnis von Nina Blazon werfen.

Im Nachwort werden unsere Kinder genannt, denen ein Au Pair zugeschwommen ist, das Angst vor Waschmaschinen hat.


Muschelsucher

Mittwoch, 25. August 2010

Schwerer Abschied

Wir winkten dem davonfahrenden VW Bus nach. Die Gastmutter von einem anderen Au Pair brachte unsere A. zusammen mit ihrem Au Pair Mädchen nach Göttingen zum Studieren.

Für meinen zweiten Sohn brach eine Welt zusammen. Lange nahm er dieser Frau es persönlich übel, dass sie ihm A. weggenommen hatte, ja entführt hatte. Nie im Leben hätte er sich vorstellen könne, dass seine A. freiwillig von ihm wegfährt.

Die beiden hatten wirklich eine innige Beziehung.

Er kam auch nicht schnell über diesen Verlust hinweg. Er trauerte, er trauerte um eine seiner wichtigsten und innigsten Bezugsperson.

Er bekam Hautauschlag, der wie Neurodermitis aussah und der beängstigend schnell sich über den Körper ausbreitete. Er stellte das Sprechen ein, Fremdelte wie wild. Kam Besuch, legte er sich ins Bett und schlief, bis der Eindringling verschwunden war.

Wir wurden belächelt, wenn wir den Ärzten die Schwierigkeiten unseres Sohnes darstellen. Für die Haut wurden uns Cremes gereicht. Oberflächliches. Aber was heilt die Seele. Wenn man die Sprache verliert und man sich nicht mehr wohl fühlt in seiner Haut. Da helfen keine Cremes.

Hilfe fanden wir ganz wo anders. Unser Krankengymnast hat uns für T. Bachblüten zusammengestellt, die unserem sensiblen Dickhäuter helfen sollte, wieder mit sich ins reine zu kommen. Wir nannten die Mischung Elefantinotropfen.

Er bekam die ersten schon in der Praxis. Ich habe dem eigentlich nur aus Verzweiflung zugestimmt. Nach dem Motto, wenn es schon nicht hilft, wird es auch nicht schaden können.

Als wir die Praxis verließen, kam uns der nächste Patient entgegen. Ein älterer Herr. Eine in der Zeit normale Reaktion meines Sohnes wäre gewesen, sich hinter mir zu verstecken und möglichst ohne Blickkontakt an dem Mann vorbeizuschleichen.

Aber was passierte, mein Sohn lief weiter neben mir her und begrüßte den Mann mit einem fröhlichen: Hallo Opa.

Ich war völlig verdattert. Und seitdem redet er. Leider ununterbrochen. Seit Jahren. Mein Mann fragte schon am 3. Tag, ob wir die Tropfen nicht vielleicht überdosierten, denn uns allen war schon ein Blumenkohl ans Ohr gequatscht worden.

Auch die Haut heilte. Nach kurzer Zeit sah man nur noch, dass da mal was gewesen sei. So schnell wie der Ausschlag gewachsen war, verschwand er wieder.

Zu den nächsten Au Pairs hatte unser Sohn immer ein gutes Verhältnis, aber nie wieder so innig. Er schützte sich.


Muschelsucher

Dienstag, 24. August 2010

Erstes Au Pair Jahr geht zu Ende

So wie mein Schwangerschaftsbauch wuchs, umso mehr schrumpfte die verbleibende Zeit mit unserem Au PAir in sich zusammen. Diesmal gingen wir im Internet bei verschiedenen Agenturen auf Suche und wurden bald fündig in der Ukraine.

A. bereitete sich auf ihren Abschied vor, zunächst rasselte sie durch eine Deutschprüfung. Dies lag nicht an ihrem schlechten Deutsch, sondern an ihrer enormen Prüfungsangst, die sie dazu brachte sogar ihren Namen zu vergessen.

Die Wiederholungsprüfung meisterte sie besser, wir haben sie mit Bachblüten versucht etwas zu unterstützen. Sie bekam einen Platz an der Uni in Göttingen zu einem Vorbereitungsjahr. In diesem Jahr sollte sie den Sprachtest bestehen, der Voraussetzung für das Studium ist, Testdaf (Test Deutsch als Fremdsprache).

Nun mußte noch das entsprechende Visum her. Dies setzt eine nicht unerhebliche Menge an Geld in der Hinterhand voraus. Also man muß nachweisen, genügend Geld für ein Jahr Studium in Deutschland zu haben.

Da sie uns mit der Unterstützung bei der Krankengymnastik so sehr geholfen hat, haben wir dann ihr auch da unter die Arme gegriffen und ihr geholfen diese Voraussetzungen zu erfüllen.

So verließ uns A nach einem Jahr in Richtung Göttingen. Ihr erster Job war die Betreuung eines jungen Mannes mit der gleichen Behinderung wie unser Sohn. Die Erfahrung bei uns und die Kenntnisse, die sie in der KG aufgebaut hat, haben ihr dabei geholfen, sich eine Basis zu schaffen, sich das Studium zu finanzieren.

Über den Serviceclub konnten wir ihr auch noch ein Zimmer besorgen, so stand dem Studium außer dem Sprachtest nichts mehr im Wege.

Noch heute ist sie in Göttingen. Sie hat sich fürs Psychologiestudium entschieden, was sehr schwer für sie war und ist, denn vielfach ist die Literatur in Englisch. Diese Sprache hat sie aber nie gelernt.

Über ein Abschluß des Studium habe ich noch nichts gehört, aber nach über 9 Jahren sollte es doch mal so weit sein.

Wir hören leider immer nur sporadisch von einander - und in letzter Zeit leider lange gar nicht.


Muschelsucher

Montag, 23. August 2010

Arbeitserlaubnis für ein Au Pair oder Kontrolle durch das Arbeitsamt

Wenn man ein Au Pair haben möchte, muß man gerade bei Au PAirs von außerhalb der EU einiges an Voraussetzungen erfüllen.

Zum einen muß man Deutsch oder zumindest ein Elternteil muttersprachlich Deutsch sein. Man muß dem Au Pair ein eigenes Zimmer zur Verfügung stellen, ein festgelegtes Taschengeld zahlen, nicht mehr als 30 h in der Woche beschäftigen, die Möglichkeit zur Teilnahme am Sprachkurs und zum Gottesdienst bieten. Natürlich muß man das Au Pair auch versichern.

Dann braucht das Au Pair ein Visum für ein Jahr und eine Arbeitserlaubnis als Au Pair. Die Gasteltern müssen diese Arbeitserlaubnis beantragen und dabei viele Fragebögen ausfüllen, die sicherstellen sollen, dass es kein Ausbeutungsverhältnis wird.

Da Papier geduldig ist, macht das Arbeitsamt auch von Zeit zu Zeit Stichproben. So stand eines Tages kurz nach der Ankunft von A. ein Herr vor der Tür, stellte sich vor, er käme vom Arbeitsamt und wollte uns als Gasteltern für ein Au Pair mal kennen lernen und die Räumlichkeiten und Begebenheiten in Augenschein nehmen.

Er kam natürlich unangekündigt. Das ist ja auch gut so und wir hatten schließlich nichts zu verbergen. Nur wir wären nicht wir, wenn es glatt gelaufen wäre.

Er kam ausgerechnet an dem Tag, an dem A. Besuch hatte und zwar all die Au Pairs aus dem Sprachkurs, an dem sie teilgenommen hat, bevor sie die Familie verlassen hat und zu uns gewechselt ist.

Das heißt, zunächst war weder unser Au Pair noch die Kinder da. Wir konnten also nur die Papiere, das Zimmer, Küche, Bad von A., die Anmeldebestätigung vom Sprachkurs, die Bücher usw zeigen. Da kam dann auf einmal eine „Horde“ lauter polnischer Au Pair Mädchen und Jungen mit unseren Kindern wieder nach Hause. Es war eine ganz fröhliche Gruppe. Wir zogen dann A. aus der Gruppe raus, stellten sie dem Herren vom Arbeitsamt vor. Sie musste noch ein paar Fragen beantworten, wie ob sie schon Urlaub bei der Familie zuvor genommen hatte, wie wir den anrechnen wollten usw, ob sie beim Sprachkurs sei, ob die Arbeitsstundenzahl eingehalten wird.

Er ließ sich dann auch das Zimmer von innen zeigen und dort wollte er denn auch den ganzen Besuch kennen lernen. Wir fürchteten schon, dass er glaube, wir beschäftigen hier ganz viele Polen irgendwie illegal, aber er unterhielt sich einen Moment nett mit ihnen und verabschiedete sich dann von uns und meinte, er könne beruhigt gehen.

Unsere Befürchtungen waren wohl unbegründet, denn in den folgenden 10 Jahren kam keine weitere Kontrolle und die Arbeitserlaubnisse für die folgenden Au Pairs wurden auch immer innerhalb einer Woche erteilt.




Muschelsucher

Mehr Au Pair Erfahrungen

Unser Au Pair A. war mit einem anderen Au Pair I. Litauen befreundet. I. hatte Probleme in ihrer Familie. Eines Tages saß sie dann weinend bei uns, weil der Lebensgefährte der Gastmutter ihr Schläge angedroht habe.

Es gab da wirklich viele komische Dinge, so musste sie das Gessigehen mit dem Hund erledigen, dabei hatte sie Angst vor Hunden. Anlaß der angedrohten Schläge war aber, dass I. die Wäsche des Haushaltes erledigen sollte. Im Haus wohnten wohl nur Mutter und Kind mit Hund und Au Pair. Aber der jetzige (besser damalige – ob er es jetzt noch ist, weiß ich nicht) Lebensgefährte und der Kindsvater brachten immer die Wäsche. Diese sollte sie korrekt auseinander sortieren und stapeln, da es sonst zu unangenehmen Begegnungen der beiden Männer kommen würde.

Da sie die Garderobe der Herren nicht kannte, musste sie Geruchsproben an der ungewaschenen Wäsche machen und den jeweiligen Männern zuordnen.
Dabei ist ihr wohl ein Fahler unterlaufen.

Zum Lachen, wenn es nicht so schlimm wäre.

Aber das war wohl alles nur ein Vorwand, denn die Familie hatte sich ein anderes Au Pair besorgt und wollte I, schnell nach Litauen abschieben. Jetzt war sie aber bei uns gelandet und ich habe noch am Abend ihre Kleidung und Sachen bei der ehemaligen Familie abgeholt und sie durfte erst mal bei uns wohnen.

Weder die Gastmutter noch einer der Herren waren anwesend, als ich die persönlichen Dinge von I. da abholen wollte, die Oma drückte mir die Sachen in die Hand, teils noch klitschnass aus der der Wäsche kommend. Die Oma war hektisch, ich solle schnell machen, bevor die Männer kämen. Ich kam mir vor, wie in einem schlechten Film.

Später wurde mir dann doch flau, dass ich das alles ohne Begleitung usw gemacht habe – ein Handy hatte ich damals auch noch nicht.

Mit Erstaunen stellte ich fest, dass I sowohl ihre eigenen Handtücher und Bettwäsche hatte. Diese musste sie hier in D. kaufen, weil sie nicht von der Familie gestellt wurden. Ebenso hatte sie sich einen Papierkorb für das Zimmer besorgen müssen – seltsam alles.

Bereits am nächsten Morgen waren wir beim Ausländeramt, da war aber schon die Beendigung des Au Pair Verhältnisses bekannt gegeben und die Ausweisung beantragt worden. Wir konnten aber den Verbleib bei uns erwirken. Innerhalb weniger Tage hatten wir dann auch eine neue Familie für sie gefunden, in der sie dann das Au Pair Jahr beenden konnte.

Mich verwunderte damals die Eile, mit der die Familie, die Bürokratie vorantrieb, I. schnell aus dem Lande zu bekommen. Eine Erklärung fand sich dann in vielen Rechnungen von verschiedenen Katalog und Versandhausanbietern, die so nach und nach durch den Nachsendeantrag bei I. in den Briefkasten flatterten.. Hatte man doch Kinderkleidung und Kleidung in Erwachsenengröße (der der ehemaligen Gastmutter) auf dem Namen von I. bestellt und wollte sich der der Bezahlung dadurch entziehen, dass man behaupte, I. sei mit unbekanntem Ziel ausgereist. Die Ware hatte I. aber nie gesehen – dh doch am immer nur an der Gasttochter. An die angeblich von ihr gekauften gepunkteten Gummistiefel in Größe 28 konnte sich sie sich dann erinnern, hatte sie die beim Mädchen öfter gesehen ;-)

Da hatte ich der Familie dann doch einen Strich durch die Rechnung gemacht und auch noch Strafanzeige gestellt.


Muschelsucher

Sonntag, 22. August 2010

ohne (weitere) Worte

Fahrrad

Vielleicht schaffen wir es ja tatsächlich nächstes Jahr alle 4 Kinder bei einer integrativen Freizeit unterzubringen und dann die 14 Tage dafür zu nutzen.

Träumen kann man ja.


Muschelsucher

Polnische und deutsche Mentalität - Rückblick auf unsere Au Pair Zeit

Wie im letzten Posting beschrieben waren wir ja Hals über Kopf Gasteltern eines polischen Au PAirs geworden. Sie hieß A. Wir haben uns zusmamengefunden. Sie machte sich gut, fügte sich ein und ich denke, wir gaben ihr auch den Freiraum, den sie brauchte. An den Wochenenden war sie mit unserem Auto und Freunden in den Diskos unterwegs und während der Woche kutschiere sie unsere Kinder, beturnte und bespielte sie.

Eines Morgens kam sie dann zu mir, es war in den ersten Juli Tagen und sagte erst: Ich habe eine schlechte Nachricht. Geschockt fragte ich, was es denn sei. Sie antwortete, ihre Eltern hätten sich gestritten und ihre Mutter wolle eine Auszeit nehmen und sie besuchen und brächte auch die Familie mit.

Noch ruhig fragte ich, wann sie denn kommen wollten. "Sie sind schon unterwegs" bekam ich als Antwort. Und da sie 5 Geschwister hat, fragte ich dann vorsichtig, wer denn alles mitkomme. Es waren dann nur Mutter mit den 3 jüngeren Kindern.

Gut, es waren "nur" 4. Jetzt die entscheidende Frage: Wie lange sie denn bleiben wollen. Zur Erinnerung, es war in den ersten Julitagen. Die Anwort führte zu einem der seltenen sprachlosen Momenten in meinem Leben: "Im September fängt die Schule wieder an."

Leicht hektisch überlegte ich nun wo ich die Matratzen und Decken her bekäme, damit ich alle unterbringen konnte, aber das ging dann recht gut. Im Au Pair Zimmer ist ein 2x2 m Hochbett, in dem locker die 3 Mädchen schlafen konnten. Mutter mit dem kleinen Bruder kam ins Gästezimmer.

Am Nachmittag fuhr dann ein Fiat Polski vor, den man gemeinhin als Elefantenrollschuh beschreibt. Auf den offiziellen 4 Plätzen des Autos saßen der Fahrer und Mama mit 3 Kindern. Dazu kam noch ordentlich Gepäck und staunend stand ich davor, was aus diesem Auto alles ausgepackt wurde. Nachdem alle Menschen rausgepurzelt kamen, wurde die Ernte des heimatlichen Gartens aus dem Fußraum rausgeholt. Es folgten jede Menge polnische Würste, Hühnchen und vorgekochte Gerichte. Aus dem Kofferraum kam auch noch der eine oder andere Kohlkopf gerollt.

Nun sprechen wir kein Polnisch, die Familie von A, aber kein Deutsch, so wurde unser Haus komplett übernommen. Den beiden Jungen machte die polnische Sprache nichts aus. Sie verstanden sie bald genauso gut wie Deutsch.

Mit den Geschwistern von A sind wir gut ausgekommen. Lediglich die Mutter war geprägt von Deutschenhass und auf uns insbesondere, denn wir hatten ihr die Tochter weggenommen und das "lockere" (unbeaufsichtigte) Leben hat bei A. den Wunsch geschürt, nicht nach Polen zurückzukehren, sondern sich hier um einen Studienplatz zu kümmern.

Die Situation mit "Mama" wurde immer gespannter, A. weigerte sich zu übersetzen, was ihre Mutter sagte und wir gingen einer Begegnung eh aus dem Weg. Da wir uns aber im eigenen Haus unterzählig fühlten, haben mein Mann und ich überlegt, doch unser Haus und Kinder ganz in polnische Hände zu legen, und eine Woche Urlaub ohne Kinder zu machen.

Die Kinder waren super versorgt. Es war ein traumhafter Sommer, morgens wurden die Strandsachen gepackt, Picknick dazu und abends wurden die Kinder und die Gäste entsandet und ins Bett gesteckt und so verlief der Sommer im Einklang mit Sonne, Ebbe und Flut.

So sind mein Mann und ich dann in einen Kinderlosen Urlaub aufgebrochen. Daß dieser sich im Nachhinein als nicht ganz so kinderlos wie gedacht herausstellte, ist eine andere Geschichte.

Nach unser Rückkehr reiste Mama dann nach Polen zurück und ließ uns ihre Kinder hier.
Mit denen hatten wir noch eine tolle Zeit, der Sommer war wirklich einer, an dem man nur am Strand leben konnte.
Lediglich der Krankengymnast von J. beschwerte sich, daß wir immer halbe Sanddünen mit in seine Praxis brachten.

Am Ende des Sommers verließen uns 3 Kinder und ich wußte, daß ein Kind auf dem Weg zu uns war. Ein kleines Mitbringsel aus dem als kinderfrei geplanten Urlaub.

Muschelsucher

Rückblick auf die Anfänge unseres Au Pair Daseins

Als nun unser zweiter Sohn geboren war und wir mit der Krankengymnastik für J. stark eingebunden waren und uns immer klarer wurde, das ist nicht mit 2-5 Rezepten abgehandelt, sondern wird eine richtige Langzeittherapie, überlegten wir uns, wie wir die Kinderbetreuung sicherstellen könnten. Meine Schwiegermutter sprach das Wort Au Pair aus. Dies erschien uns eine gute Idee zu sein. Damals war das Internet noch nicht das, was es heute ist, also nahm ich langsam zu einer Agentur in der Nähe Kontakt auf und erzählte meiner Mutter von der Idee.

Zeitgleich kam zu meinem Vater ein dortiges Au Pair D. aus Polen mit ihrem Betreuungskind in seine Praxis und er fragte sie, ob sie nicht noch jemanden in Polen kenne, der auch gerne Au Pair sein wolle, seine Tochter suche. Sie versprach sich umzuhören.

Kaum war sie wieder mit dem Kind zu Hause bei der Gastfamilie, rief dort ein Au Pair Mädchen an, daß sie Hilfe brauche und sofort ausziehen möchte, denn der Gastvater sei etwas zu nett zu ihr gewesen.

Mit diesem Mädchen im Schlepptau tauchte dann D. wieder bei meinem Vater auf und sagte, sie hätte nun doch ein Au Pair gefunden, allerdings nur für sofort.

So hatte ich innerhalb von 2 Tagen nach der ersten Überlegung, ob ein Au Pair die Lösung für unsere Probleme sei, tatsächlich ein Au Pair.

Sie packte und meine Mutter wollte sie her bringen.

Nun sollte der Raum das Au Pair Zimmer sein, in den wir seit dem Umzug immer alles reingeschmissen haben, um es später wegzuräumen. Wer ein solches Zimmer schon mal gehabt hat, weiß welch Arbeit das Wegräumen dann tatsächlich bedeutet.

Da es A, die unser Au Pair werden sollte, sehr eilig hatte, stand sie nämlich blitzschnell mit gepackten Koffern bei meinen Eltern auf der Matte. Der eigentlichen Gastfamilie wurde erzählt, sie müsse wegen Heimwehs nach Polen zurück, denn A. wollte die Familie nicht mit der wahren Geschichte zerstören.

Ich wurde nun etwas panisch, denn das Zimmer glich einer Großbaustelle. So rief ich meine Mutter an, sie soll bitte auf dem Weg hierher eine Sightseeing Tour veranstalten und die Mädchen zum Eis einladen und sonstwas machen, damit die Fahrt länger dauert.

Trotz und wegen tatkräftiger Hilfe hier, haben wir es geschafft, daß die Gardienen in dem Moment hingen als sie hier ankamen und das Zimmer nett aussah.

So taten wir völlig unvorbereitet die ersten Schritte in das Dasein von Au Pair Gasteltern. Es solletn viele Jahr mit Au Pairs folgen. Wir haben überwiegend positive Erfahrungen gemacht.

Die ersten Tage verliefen damit, die verschiedenen Ämter aufzusuchen, die Aufenthaltsgenehmigung und die Arbeitserlaubnis umzuschreiben, das alte Konto aufzulösen und ein neues einzurichten.

Dsnn konnten wir als Familie zusammenwachsen. Gerade unser 2. Sohn liebte A. wie eine Mutter. Es war zu schön, die beiden in Interaktion zu beobachten. Beide nahmen immer wieder schnell Blickkontakt auf.

Auch mit J. freundete sie sich schnell an und übernahm bald die Aufgaben der Therapiefahrten und turne auch einen Teil der Aufgaben mit ihm zu Hause. Dies war keine leichte Aufgabe, denn wir haben 4 mal am Tag nach Vojta geturnt.



Muschelsucher

Samstag, 21. August 2010

Lebenserwartung

In einem Thread bei RehaKids ging es um die Lebenserwartung unser besonderen Kinder. Eine Frage, über die man sich als Eltern schon früh Gedanken macht.

Jemand zitierte dort eine Mutter aus der Vereinszeitschrift für Familien mit FraxKindern:

"Wir hatten die geistige Behinderung unseres Sohnes schon lange
akzeptiert, bevor wir vom Frax-Syndrom erfuhren. Er ist ein freundlicher,
liebevoller und rücksichtsvoller junger Mann. Ich möchte nur eines,
einen Tag länger leben als er, dann weiß ich wo er ist. Das wäre mein
Seelenfrieden."

Dieser Satz faßt, denke ich, die Gefühle der meisten Eltern genau zusammen.

Mich trifft diese Diskussion gerade sehr. Einerseits mache ich ja gerade Lebensplanung für J., wenn er dann mit Volljährigkeit zu Hause ausziehen soll. Ich sehe mir verschiendene Einrichtungen zum Wohnen und Arbeiten an.

Andererseits haben wir mit Fremdbetreuung im Krankenhaus schlechte Erfahrung machen müssen. Wenn es in nur 10 Wochen möglich ist, daß ein Kind fast verhungert, obwohl ich fast täglich anwesend war, wie soll ich den Mut aufbringen mein Kind erneut vertrauensvoll in fremde Hände zu geben, wenn dieses Vertrauen schon einmal so brutal enttäuscht wurde.

Muschelsucher

Donnerstag, 19. August 2010

nette Überraschung

Eine nette Überraschung habe ich heute auf meinem Konto gefunden. Ich habe mit der Pflegekasse die Betreuungskosten für J. Reise mit der Lebenshilfe abgerechnet. Der Reisepreis besteht ja aus einem generellen Reisepreis, der auch für nicht behinderte zu zahlen wäre, für Unterkunft, Verpflegung, Fahrt usw und einem zweiten Preis, der sich nach der Pflege- und Betreuungsbedürftigkeit richtet.

Bisher war immer ungewiß, ob der gesamte Betrag für Pflege und Betreuung aus den zusätzlichen Betreuungsleitungen beglichen werden darf, weil er ja aufgeschlüsselt werden müßte in Pflegezeit und Betreuungzeit. Die zusätzlichen Betreuungsleistungen dürfen nämlich nicht für Pflege verwendet werden. Nun gelten diese Freizeitangebote als niederschwellige Angebote und bei diesen können die gesamten Kosten über die zusätzlichen Betreuungsleistungen abgerechnet und müssen nicht aufgeschlüsselt werden.

Ich habe also die Rechnung eingereicht und beantragt, mir den 2. Teil der Kosten im Rahmen der zusätzlichen Betreuungsleistungen zu erstatten, da ich in Vorleistung getreten bin.

Gestaunt habe ich heute beim Blick aufs Konto, wurden nicht nur die Kosten für die Betreuung erstattet, sondern auch der allgemeine Reisepreis... so habe ich jetzt für die Reise rein gar nichts bezahlt - außer Taschengeld, was ich ja in Form einer Delphinkette wieder bekam.

Muschelsucher

Dienstag, 17. August 2010

Der hat es gut, der muß nicht laufen...

... er darf im Rolli sitzen.


Das war und ist häufig gehörtes Genöhle der Geschwister, wenn sie keine Lust mehr hatten zu laufen.

Ein Tag im Rolli in der Schule hat auf das Leben im Rolli doch ein ganz anderes Licht geworfen.

Ganz anders wurde kritisch hinterfragt, wie die Umwelt für Rollifahrer aussieht. zB kam der Fahrstuhl erst als die Pause faktisch schon zu Ende war, die Toiletten sind auf Zwischengeschossen untergebracht und mit dem Fahrstuhl nicht erreichbar - also besser nichts trinken in der Pause. Eine Toilette ist rolligerecht errreichbar, aber das nützt nix, wenn die Zeit in der Pause nicht reicht dahinzukommen, weil zB der Fahrstuhl nicht kommt.

Was nützen Rampen, wenn sie so steil sind, daß sie nicht überwunden werden können oder bergab eine Gefahr darstellen.

Fazit, das mein SOhn gezogen hat: Ich verstehe jetzt vieles besser. Nur weil etwas behindertengerecht aussieht, ist es das noch lange nicht, das merkt man aber erst, wenn man darauf angewiesen ist.
Schon heute ist ihm ein schmerzhaftes Humpeln lieber, als an den Rolli gefesselt zu sein - so sehr ich diesen Spruch auch nicht mag, so kam es doch meinem Sohn vor.

Sonntag, 15. August 2010

1 Schulwoche und WE

Die erste volle Schulwoche ist um. Geschafft.


Wir kämpfen noch ein wenig mit den Zeiten. J. wird deutlich später abgeholt, statt 7.00 um 7.25--30 Uhr und die Schule der Kleinen fängt 2 x in der Woche schon um 7.45 an.

In dieser Zeit schafft mein Lütter es nicht auf seinem Minifahrrad die Strecke zu bewältigen. Also fahre ich an den Tagen mit dem Auto.

Dazu hat meine Tochter Gitarren AG und keine Ahnung wie diese über 2,5 km auf dem Kinderfahrrad zu transportieren ist.

Aber nach anfänglichen 2 schwierigen Tagen findet der Lütte in den Rhythmus der Schule. Leider mußte ich zweimal feststellen, daß er die Aufgabenstellung nicht richtig verstanden hatte. Eine Erklärung von mir zeigte, daß die Aufgabe als solches für ihn leicht zu lösen war. Jetzt nur die Frage, warum es in der Schule nicht zu ihm durchgedrungen ist. Bei einem Kind ohne Hörstörung würde man sagen, hör halt besser zu, so aber muß man es genauer beobachten.

Die Wölflinge waren am WE auf Fahr im Pfadiheim. Da durfte auch der ganz kleine Wölfling mit, auch wenn er erst eine Gruppenstunde hatte. Etwas nervös war ich schon, als ich ihn abgab, aber heute tauchte er glücklich wie dreckig wieder hier auf.

Sie haben auch die Sippe beim Mittelalterfest besucht, die dort das Stockbrotbacken anbot. Unser Sippling ist dort von einem Turm in Strohballen gesprungen, die dort als Kinderunterhaltung aufgebaut waren. Leider ist er mit dem Fuß ungünstig zwischen 2 Ballen gelandet und brachte uns einen Besuch in der Notfallambulanz im KH ein.

Durch die Behinderung gut ausgestattet, konnte er dann im Rolli seines Bruder vorfahren und unterschied sich damit deutlich von den anderen Kindern in den Erwachsenenpflegerollis des KH.

Erste Frage des Arztes war, ob er auch von dem Turm in das Stroh gesprungen sei??? Viel erklären mußten wir nicht ;-)

Nächste Frage war, wem er denn den tollen Rolli geklaut hätte. Auf die Erklärung folgte die Frage, kann der denn laufen? T. sagte dazu, heute besser als ich.

Ich wurde dann gefragt, wieviele Kinder wir den hätten, als ich 4 antwortete, kam der Kommentar: Haben Sie nie über die Anschaffung eines Fernsehers nachgedacht.

Ende vom Lied - gedehnte Bänder im Sprunggelenk, aber kein Bruch - schmerzhaft.

Er liegt jetzt mit Kühlkompresse im Bett und wird dann morgen auch mit Rolli in die Schule gehen - fahren - äh natürlich gefahren werden.

Aber es ist eine interessante Erfahrung für ihn, die Welt aus Rolliperspektive zu sehen.

"Mama, ich konnte mir gar nicht richtig die Hände waschen und kam nicht an die Handtücher ran."

Währenddessen wurden die anderen Kinder aus dem Pfadiheim abgeholt, sie waren so dreckig wie glücklich, also ziemlich glücklich - inzwischen aber wieder gesäubert und warten auf die neue Schulwoche.

Freitag, 13. August 2010

Kuscheltierarmee

 
 
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Transeuropa2008 046, ursprünglich hochgeladen von Muschelsucher


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Donnerstag, 12. August 2010

Mein Tag

Heute Morgen war ich bei der Lebenshilfe. Dort lief schon ein Aufnahmegespräch und eine Wohnartwahl für meinen Sohn. Er wird zwar erst in 5 Jahren volljährig, aber die Wartelisten sind hier so, daß Wohnheimsplätze (eine geringere Betreuungsform geht aufgrund der körperlichen Beeinträchtigungen nicht) dann wohl nicht zu kriegen sind und wir mit mehr Wartezeit zu rechnen haben. Leider war heute der Herr von den Werkstätten nicht dabei, weil er erkrankt ist. So werde ich mit ihm auch noch einen Termin machen (müssen).

Gut ist, daß hier jetzt auch ein Familienentlastender Dienst entstehen soll, dann können wir auch die Gelder für die zusätzlichen Betreuungsleistungen abrechnen und verbrauchen.

Tja, und weil das alles noch so vage und vielleicht nur Aufnahme und dann irgendwann mal war, habe ich auch gleich noch verschiedene andere Einrichtungen angeschrieben. So werden ich dann im November in Hannover mir die Angebote des Annastiftes ansehen.

Heute ist meine Tochter zur Klassensprecherin gewählt worden. Mein Sohn ist es auch, so haben wir jetzt 2 Klassensprecher hier rumspringen.

Samstag, 7. August 2010

7 - 14

Zahlenspielereien zur Einschulung
Die Einschulung meines 4. Kindes ist am 7. August. Er ist dann auch im 7. Lebensjahr. Unser ältestes Kind ist im 14. Lebensjahr genau die Verdopplung. Er sollte auch in die 7. Klasse gehen, in die er wegen einer Rückstellung nicht geht.

Bei diesen Zahlenspielen fiel mir ein Artikel von Wolfgang Held ein, den ich mal zu der Zahl 7 und der Zahl 14 gelesen habe.

Er führt darin aus, dass bei einer großen Anzahl von Vögeln es 14 Tage dauert, bis aus den Eiern im Nest die Vögel schlüpfen. Der Kuckuck ist aus bekannten Gründen 2 Tage schneller. Die Brutdauer der meisten Vögel orientiert sich am Wochenrhythmus. Es beginnt mit einer Zeitlänge von ca 14 Tagen, andere wachsen in 21 Tagen oder 28 Tagen heran.

Die Zahl 14 ist die Verdopplung der Sieben, ist der zweite Schritt in der Siebenerreihe und deshalb wie diese Zahl eng mit der Zeit und der Entwicklung verbunden.

Besonders deutlich zeigt sich dies in der menschlichen Biografie. Im 7. Lebensjahr liegt die Schulreife. Die körperliche Entwicklung ist soweit fortgeschritten, dass nun mit Schreiben Lesen und Rechnen die geistige Entwicklung Platz greifen kann.

Mit dem 14. Lebenjahr folgt der körperlichen Reife die seelische: die Liebe zum anderen Geschlecht, aber auch Begeisterung für Ideen und Visionen erwacht.

So sind es 14 Jahre, 14 Schritte, um voll zur Menschheit zu gehören.

In der islamischen Zahlenmystik ist die Weite der Zahl 14 bekannt. Sie gilt dort als Mondzahl, die Einheit zwischen Voll und Neumond und umgekehrt. Sie bestimmt den Rhythmus, in dem der Mond als Brücke zwischen Erde und Kosmos sich füllt und entleert. 14 ist damit ein vermittelnder Rhythmus zwischen Himmel und Erde.

Freitag, 6. August 2010

Am Vorabend ...

Morgen nun wird unser letztes Kind eingeschult. Die Sprüche mit dem Ernst des Lebens verkneifen wir uns. Spannend ist es aber immer wieder. Erstaunlich wie in dem letzten Jahr vor der Einschulung das Kind einen Entwicklungsschub nimmt. Gar nicht so sehr kognitiv, aber im sozialen Bereich, in der Gruppenfä#higkeit, in der Selbständigkeit, in der Verantwortlichkeit und vielem mehr.

Wenn man vor dem letzten Kindergartenjahr noch sagt, was der soll nächstes Jahr in die Schule, so nickt man dann doch ab, ja, jetzt ist er bereit.

Wieder ein Kind, das mit neuen Büchern lesen lernen soll. Gleichzeitig muß den Bedürfnissen von J. gerecht geworden werden, weil sie vor dem Schulwechsel steht.

T. muß in der 6. Klasse jetzt mit 2 Fremdsprachen klarkommen und die entsprechenden Vokabeln lernen. Stolz bin ich immer noch auf seine sehr gute Note im Sozialverhalten. Ist das eine Auswirkung davon, einen behinderten Bruder zu haben? Wurde er gezwungen in einigen Bereichen schneller reif zu werden? Oder ist er einfach durch die so selbstverständlich gelebte Rücksichtnahme in einer größeren Familie geprägt und weiß daß das Leben nicht nur aus sofortiger Lustbefriedigung besteht, sondern daß auch Krankheit, Behinderung und Tod ein ganz selbstverständlicher Teil des Lebens sind, der jeden, jederzeit unverschuldet treffen kann?

Tja und J. hat die große OP im November vor sich. Dann müssen die Kinder hier ohne mich auskommen.

J. hat einen neuen Transportunternehmer, der ihn in die Schule fährt. Man mag das alte nicht wechseln, denn man weiß was man hat. Aber die neue Fahrerin ist so fröhlich, daß der Druck des Gemuffels des alten Fahrers von uns genommen wurde. Es macht jetzt richtig Spaß ihn in den Bus zu setzen. Als mehrfache Oma geht sie auch energisch und beherzt zwischen die Kinder, wenn die sich zu sehr kabbeln - so wirkt sie zumindest. J. ist angetan von ihr, was die beste Voraussetzung ist, daß er sich gut benimmt, denn wen er nicht ernst nimmt, kann schwer unter ihm leiden. Das beste ist, er wird 25 min später abgeholt, was uns den Morgen etwas entspannt.


Das ist also das Schuljahr, das vor uns liegt.
Die Ferien liegen mit der morgigen Einschulen endgültig hinter uns.

J. hat die Reise mit der Lebenshilfe sehr gut gefallen. Nach der Rückkehr mußte ich ihn operativ aus den Lebenshilfebussen entfernen. Auf dem Rückweg hat er die ganze Zeit umkehren gebärdet.
Aus einem Steinbruch mit Steinzeitlichen Ausgrabungen hat er mir eine Delphinkette aus einem dortigen Stein mitgebracht. Es ist so typisch, daß er nichts für sich gekauft hat.

Er achtet aber jetzt morgens auch immer darauf, daß ich die Kette anlege und freut sich, wenn er sie sieht.

Die Kinderzimmer sind renoviert, gestrichen, teils tapeziert, neu eingerichtet. Sie wurden den neuen Bedürfnissen angepaßt. Kein Kindergartenkind mehr, alle brauchen eigene Schreibtische und ungestörte Arbeitsflächen.
Das bedeutete aber auch viele Spielsachen auszusortieren, körbeweise Bücher und Verkleidungen an den Kindergarten abzugeben.

Heute habe ich auch die Logopädin mit meinen Sprachförderbüchern überrascht. Die Hoffnung auf Lautsprache bei J . habe ich schon vor einiger Zeit beerdigt.

J. hat jetzt seinen Computerarbeitsplatz mit seiner Lernsoftware für seinen Bedarf und seine Freude.

Der Sperrmüll hat die meisten Spuren der Entrümpelung beseitigt. Im Keller wartet noch eine Sprossenwand auf ein Turnkindabnehmer und 2 blaue Säcke mit Spielsachenrestmüll müssen in den nächsten Wochen auf die Mülltonne verteilt werden. Dann sind die Spuren beseitigt.

L. ist ja für ein einzuzschulendes Kind sehr klein. Er fährt noch auf einem 18`` Fahrrad. Da bekommen wir nicht einmal einen Korb drauf. Außerdem hat das als Spielfahhrad wie alle 18 `` Fahrräder kein Licht. Das 20`` Fahrrad, das wir haben und das verkehrsicher ist, ist aber noch zu groß für ihn.

Das sind dann die kleinen Probleme, die mit der kleinen Körpergröße einher gehen. Auch der Schulranzen sitzt nicht richtig.

Früher... früher... wie habe ich das gehaßt, wenn meine Eltern immer ihre Schule gelobt haben und unsere kritisierten, also werde ich es jetzt hier und nicht vor den Kindern machen.

Früher hatten wir eine Fiebel und ein Heft, eine Mathebuch und ein Heft und für Reli ein Heft, für Sachkunde eine Mappe und das war es.
Das war im Ranzen und das nahm man immer mit und hatte immer das richtige dabei.

Heute haben die Kinder eine Fiebel, ein Arbeitsheft Teil A und B, ein Schreiblernarbeitsheft für Druckschrift und für Schreibschrift, ein Heft und eine Mappe. In Mathe sind es ein Buch, ein Arbeitsheft, ein Heft, eine Mappe usw usw...
In Anbetracht dieser verschwenderischen Vielfalt der mitzuschleppenden Arbeitsmaterialien, die immer dann in der Schule bleiben, wenn die Kinder mal krank sind und sie dann nie die Hausaufgaben erledigen können, fand ich es schon sehr humorvoll, als die Lehrerin uns aufforderte, die Elternbriefe immer aus der Mappe zu nehmen, damit die Kinder nicht unnötiges Gewicht herum schleppen müssen.

Falls sie uns nicht  täglich  mit Pamphleten in der Dicke des Zauberberg überraschen wird, wird dieser eine Zettel bei einem Schulranzen von 12 kg (bei unserer Tochter - die gerade 23 kg wiegt) kaum ins Gewicht fallen, oder?

Ich habe mich noch nicht getraut den gefüllten gymnasialen Ranzen meines Sohnes auf die Waage zu stellen. Ein "Tilt" würde mich kaum überraschen.

Das schwadroniert eine Mutter am Vorabend der 4. Einschulung....

Hasenbrot und Sonntagskleidung

All das findet man als Wortrecycling auf Textilien bei http://www.rewoert.de/

Auf austerbende Wörter soll durch einen auffälligen Aufdruck auf Kleidung hingewiesen werden.

Klickt Euch mal durch. Sind total witzige Sachen dabei,

Zum Nächsten Einkaufen nehme ich jedenfalls meinen Lastenträger mit.

Mittwoch, 4. August 2010

Reiselust

Londonskyline






Gullivers Reisen

Gullivers Reisen ;-)



Ein paar kleine Spielereien zum Ferienende

Dienstag, 3. August 2010

die letzten Ferientage

hier ein paar Impressionen... vom Meer... dem Himmel darüber und der unendlichen Freiheit - die jetzt am Donnerstag hier ein Ende findet ;-)


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Direkt durch einen Regenbogen sind wir gefahren - paßt ja vom Namen zur Color Line:

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Und ich habe sie gefunden - die Incognitogatan - auch wenn sie sich im Schatten verstecken wollte:

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Und so genau möchte man manchmal gar nicht wissen, was alles mit uns an Bord transportiert wird:

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