Dienstag, 31. August 2010

Urlaub mit Au Pairs

Wir haben unsere Au Pairs öfter mit in den Urlaub genommen. Damit keine Fehlvorstellung aufkommt, es war selbstverständlich nicht ihre Urlaubszeit, sondern reguläre Arbeitszeit, die sie auch bezahlt bekommen haben.
Wir haben auch versucht ihnen im Urlaub die freien Tage zu geben, die ihnen zustanden. BZW wir haben sie vor die Wahl gestellt, uns auf einen Tagesausflug zu begleiten oder von uns zB in der nächsten Stadt rausgesetzt zu werden oder den Tag im Ferienhaus zu verbringen.
Dennoch hat sich die Erkenntnis durch die Jahre hinweggezogen, die Au Pairs mochten Urlaub nicht, im Gegenteil, sie empfanden es immer als eine Art Entführung weg vom Telefon und Computer. Dies zog sich wie ein roter Faden durch eigentlich alle Au Pair Jahre.
Während der Schwarzwald zu heiß und bergig war, wurde das anschließende Dänemark als zu flach, windig und kalt empfunden. Wir hatten ein Haus in den Dünen von Hvide Sande.
Auf dem Weg nach Baiersbronn hatten wir unsere Au Pairs faktisch samstags morgens aus der Disko abgeholt, dort eingesammelt und sie schlafend durch Deutschland kutschiert. Dies haben wir auf dem Weg nach DK nicht noch einmal gemacht.
Gerade der Sommergast hatte in DK ziemlich schlechte Laune. Später, aber erst nach dem Urlaub, stellte sich heraus, dass die Mens überfällig war und sie deswegen ziemlich blöd zwischen einem Polen hier in D und einem festen Freund in Polen stand. Dies machte aber uns auch den Urlaub schwer. Besonders steckte sie T. dann auch noch mit mieser Laune an.
Wir waren wahrscheinlich auch die einzigen, die vom 11. September 2001 nichts mitbekommen haben. Wir saßen ahnungslos in den Dünen an der Nordsee, zu blöde um den Satellitenempfang des Fernsehers einzustellen haben wir nichts mitbekommen.
Am nächsten Tag haben mein Mann und ich Brötchen geholt und ich flachste noch so, dass ich mal in den kleinen Minimarkt ginge, einen Blick in die Zeitung zu werfen. „Mal sehen, ob die Welt noch steht“, sagte ich zu meinem Mann und stand im nächsten Moment sprachlos vor der Schlagzeile der Bildzeitung, „Großer Gott steh und bei“ und darunter das Bild der brennenden Twin Towers.
Immer noch fassungslos kaufte ich die erste und einzige Bildzeitung meines Lebens. Wie unter Schock stehend sind wir ins Ferienhaus gewankt. Reaktion unseres polnischen Gasts war: Naund, da sind dann eben zwei Häuser kaputt gegangen, ein paar Leute gestorben, die Welt werde sich schon weiter drehen.
Ich war fassungslos, wie man so völlig anteilnahmslos über der Sache stehen konnte. Im Laufe des Tages suchten wir alle in der hyggeligen Ruhe auf Fanö irgendwie das Gefühl des Schocks unter Kontrolle zu kriegen. Das half ein wenig. Gaukelte es heile gemütliche Welt vor.
Den Kindern hatten wir ihren ersten Legolandbesuch versprochen. Dies wollten wir auch einhalten. So kauften wir für uns alle zum ersten Ausprobieren ein 2 Tagesticket.
Da wir noch ein Kind im Kinderwagen hatten und die beiden Jungen mit 2 und 4 auch noch für einiges zu klein waren, haben wir uns die Zeit so aufgeteilt, dass mal wir und mal T. und A. entweder ein Kind im Kinderwagen, mal die beiden Jungen oder mal gar kein Kind bzw alle Kinder hatten. So konnte jeder von uns alles sehen und fahren.
Zuerst haben wir die beiden mit den beiden Jungen losgeschickt, wir dachten, sie hätten bestimmt Freude, sich mit den Jungen in einige Fahrgeschäfte zu stürzen.
In der Zeit haben sich mein Mann und ich mit dem Töchterchen im Kinderwagen das Miniland angeschaut. Nach ca einer Stunde wollten wir dann tauschen. Auf die Frage , was sie denn alles schon gemacht haben, bekamen wir die Antwort: „Hier kann man doch nichts mit Kindern machen.“ Bedenkt, es war ihre bezahlte Arbeitszeit, in der sie die Kinder im Legoland bespaßen sollten. Ist doch ein so schlechter Job nicht, oder?
Naja, wir tauschten dann durch und unternahmen einiges mit den Kindern. Von einem Zug aus, sahen wir die beiden mit unserem Kinderwagen die Zeit auf einer Bank im wahrsten Sinne des Wortes absitzen. Dort saßen sie dann auch weiter, als wir alle Kinder nahmen und sie alleine durch den Park hätten streifen können.
Mein Mann und ich waren schon etwas auf 180. Die Zweitageskarten bedeuten, dass man an 2 aufeinander folgenden Tagen das Legoland besuchen muß. Eigentlich hätten wir die beiden am liebsten zu Hause gelassen, denn diese Muffstimmung wollten wir nicht ein zweites Mal ertragen und auch unseren Kindern nicht zumuten. Aber die Karten waren bezahlt, so sollten sie auch mitkommen.
So nahmen wir dann unsere Kinder und ließen sie bis zur Picknickzeit durch die Gegend streifen. Um 12.00 Uhr wurde dann der gesamte Park angehalten für 2 Minuten und eine Schweigeminute für die Opfer des Anschlages abgehalten.
Beim Picknick fragten die beiden, was denn diese Pause gewesen sei. Ich erklärte die Schweigeminute und es war fast, als wenn das es gewesen wäre, was ins Gehirn der beiden vorgedrungen ist, dass sie nicht die mißhandeltesten Kreaturen waren, weil sie jetzt 2 Wochen in Dänemark und davon noch 2 Tage im Legoland verbringen sollten.
Wie ausgewechselt waren die beiden und genossen noch einen Nachmittag das Legoland. Leider zu spät, aber immerhin. Danach wurde es dann viel besser mit dem Zusammenleben.


Problem dieser Schilderung ist, dass es vielleicht ein negativeres Bild auf unsere Au Pairs und die Au Pair Zeit wirft, als es gerecht wäre.
Die Vielzahl der Tage, an denen wir gut zusammen lebten, sie sich wunderbar mit unseren Kindern beschäftigt haben und alles gut lief, sind ja die absolute Mehrheit, ja weit über 95 % wahrscheinlich. Berechnet habe ich es nie, aber das sind ja kaum Ereignisse, über die man schreibt.
Dennoch prägen sie für uns natürlich die Gesamtsicht auf die Au Pair Zeit. Ich bitte die Leser, das auch zu bedenken und zu berücksichtigen und in die Zwischenräume zwischen den Ereignissen eigenständig in Gedanken einzufügen.


Muschelsucher

1 Kommentar:

  1. Ja, man muss wirklich aufpassen, dass man das Gesamte sieht...aber ich hab tief durchgeschnauft, als ich Deine Zeilen gelesen habe.
    Ich lese Deine Erfahrungen gerne, und könnte mir Au-pair für uns so gar nicht vorstellen. Ich kann nicht mal sagen warum.
    Ganz viele Grüße
    Elisabeth

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