Donnerstag, 26. August 2010

Und dann kam T.

Und dann kam T.

Sie packte im fernen Donetsk Becken ihre Koffer. Mußte sich auf eine lange Reise für 2 Tage nach Kiew machen, um dort in den Bus nach Bremen zu steigen, was ja nun auch nicht gerade um die Ecke ist.

Ich bewundere immer wieder, welch Mut diese jungen Frauen aufbringen, halb um die Welt zu fahren, um ein 365 Tage Blind Date mit einer Familie einzugehen, die sie nur über Briefe kennen.

Klar, dieses 365 Tage Blind Date sind wir auch eingegangen. Aber wir hatten immer noch uns als Familie und unseren Heimvorteil. Das Risiko ist um ein vielfaches höher auf Seiten des Au Pairs.

So standen wir am internationalen Busbahnhof in Bremen und sahen Busse von Orten ankommen, die kaum 10 Jahre zuvor noch vom eisernen Vorhang von uns abgeschnitten waren.

Es hatte etwas Weltstädtisches die Fahrpläne Bremen- Warschau, Bremen – St. Petersburg, Bremen- Murmansk usw zu lesen.

Und dann kam auch der Bus mit unserem Au Pair Mädchen.

Sie stieg aus und sah aus wie Schneewittchen. Lange tiefschwarze Haare bis zum Popo. Weiße Haut, wunderschöne braune Augen.

Total müde von der langen Reise ließen wir sie erst einmal schlafen.

Sie hatte guten Deutschunterricht gehabt und eine unheimlich gute Basis mitgebracht. Dennoch wollte sie in den folgenden Tagen mit uns erst Englisch sprechen. Sie war sehr ehrgeizig und schrieb wo immer sie war, Vokabeln auf und lernte. Am Ende des Jahres hatte sie Faust gelesen.

Der Unterschied zu A. hätte kaum größer sein können. T. war lieb und nett und bemüht, aber während A. sich irgendwo hinsetzte und alle Kinder, egal ob unsere oder Besuchskinder sofort auf ihr draufhingen, hatte T. eine unnahbare Aura, die die Kinder zuerst davon abhielt, wirklich Kontakt zu ihr aufzunehmen.
Aber genau wie mit der Sprache, sie hat es einfach gewollt und mit viel Intelligenz und schlichtweg dem Wunsch, ein Au Pair zu sein, ist sie ein ganz tolles Au Pair geworden, wenn auch die erste natürliche Affinität zu Kindern so gar nicht vorhanden war.

Auf den ganzen Behördenwegen haben wir ihr auch die Stadt gezeigt und wollten mit den Kindern noch Entenfüttern gehen. In der Bibliothek kam es dann zu einem netten Ereignis.
Nachdem wir für sie einen Leserausweis haben anlegen lassen, wollten wir die Bibliothek verlassen und zum Ententeich gehen.

Sie rief: Jungens kommt, wir wollen Enten fressen gehen.

Man warf uns doch ein paar erstaunte Blicke zu.

Wie das Zusammenleben weiterging und wir mit der Waschmaschinenphobie umgingen, ist der Fortsetzung vorbehalten.

@ Franzi: Die „Fressmade“ kommt auch noch dran, aber vorher müssen noch 2 Kinder geboren werden und einige Au Pairs kommen und gehen.

Wer Lust auf ein Märchen und mehr Au Pair hat, sollte einen Blick in das Buch Polinas Geheimnis von Nina Blazon werfen.

Im Nachwort werden unsere Kinder genannt, denen ein Au Pair zugeschwommen ist, das Angst vor Waschmaschinen hat.


Muschelsucher

1 Kommentar:

  1. Deine schönen Erlebnisse bringen neben
    Abwechslung auch Nachdenkliches.
    Es ist interessant, Neues zu lesen, etwas,
    das ich so nicht kenne.
    Herzlichen Dank für diese Bereicherung.

    Einen guten Tag wünscht dir
    Elisabeth

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