Mittwoch, 25. August 2010

Schwerer Abschied

Wir winkten dem davonfahrenden VW Bus nach. Die Gastmutter von einem anderen Au Pair brachte unsere A. zusammen mit ihrem Au Pair Mädchen nach Göttingen zum Studieren.

Für meinen zweiten Sohn brach eine Welt zusammen. Lange nahm er dieser Frau es persönlich übel, dass sie ihm A. weggenommen hatte, ja entführt hatte. Nie im Leben hätte er sich vorstellen könne, dass seine A. freiwillig von ihm wegfährt.

Die beiden hatten wirklich eine innige Beziehung.

Er kam auch nicht schnell über diesen Verlust hinweg. Er trauerte, er trauerte um eine seiner wichtigsten und innigsten Bezugsperson.

Er bekam Hautauschlag, der wie Neurodermitis aussah und der beängstigend schnell sich über den Körper ausbreitete. Er stellte das Sprechen ein, Fremdelte wie wild. Kam Besuch, legte er sich ins Bett und schlief, bis der Eindringling verschwunden war.

Wir wurden belächelt, wenn wir den Ärzten die Schwierigkeiten unseres Sohnes darstellen. Für die Haut wurden uns Cremes gereicht. Oberflächliches. Aber was heilt die Seele. Wenn man die Sprache verliert und man sich nicht mehr wohl fühlt in seiner Haut. Da helfen keine Cremes.

Hilfe fanden wir ganz wo anders. Unser Krankengymnast hat uns für T. Bachblüten zusammengestellt, die unserem sensiblen Dickhäuter helfen sollte, wieder mit sich ins reine zu kommen. Wir nannten die Mischung Elefantinotropfen.

Er bekam die ersten schon in der Praxis. Ich habe dem eigentlich nur aus Verzweiflung zugestimmt. Nach dem Motto, wenn es schon nicht hilft, wird es auch nicht schaden können.

Als wir die Praxis verließen, kam uns der nächste Patient entgegen. Ein älterer Herr. Eine in der Zeit normale Reaktion meines Sohnes wäre gewesen, sich hinter mir zu verstecken und möglichst ohne Blickkontakt an dem Mann vorbeizuschleichen.

Aber was passierte, mein Sohn lief weiter neben mir her und begrüßte den Mann mit einem fröhlichen: Hallo Opa.

Ich war völlig verdattert. Und seitdem redet er. Leider ununterbrochen. Seit Jahren. Mein Mann fragte schon am 3. Tag, ob wir die Tropfen nicht vielleicht überdosierten, denn uns allen war schon ein Blumenkohl ans Ohr gequatscht worden.

Auch die Haut heilte. Nach kurzer Zeit sah man nur noch, dass da mal was gewesen sei. So schnell wie der Ausschlag gewachsen war, verschwand er wieder.

Zu den nächsten Au Pairs hatte unser Sohn immer ein gutes Verhältnis, aber nie wieder so innig. Er schützte sich.


Muschelsucher

1 Kommentar:

  1. Zuerst danke ich noch für deine Antwort auf
    meinen Kommentar gestern.
    Manchmal gibt es im Leben noch Wunder...
    Nur so kann ich die Wandlung deines Sohnes
    sehen.
    A ist durch nichts zu ersetzen. Es ist
    wie oft bei der ersten Liebe.
    Ich freue mich auf deine nächste Erzählung.
    Liebe Grüße
    Elisabeth

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