Sonntag, 22. August 2010

Polnische und deutsche Mentalität - Rückblick auf unsere Au Pair Zeit

Wie im letzten Posting beschrieben waren wir ja Hals über Kopf Gasteltern eines polischen Au PAirs geworden. Sie hieß A. Wir haben uns zusmamengefunden. Sie machte sich gut, fügte sich ein und ich denke, wir gaben ihr auch den Freiraum, den sie brauchte. An den Wochenenden war sie mit unserem Auto und Freunden in den Diskos unterwegs und während der Woche kutschiere sie unsere Kinder, beturnte und bespielte sie.

Eines Morgens kam sie dann zu mir, es war in den ersten Juli Tagen und sagte erst: Ich habe eine schlechte Nachricht. Geschockt fragte ich, was es denn sei. Sie antwortete, ihre Eltern hätten sich gestritten und ihre Mutter wolle eine Auszeit nehmen und sie besuchen und brächte auch die Familie mit.

Noch ruhig fragte ich, wann sie denn kommen wollten. "Sie sind schon unterwegs" bekam ich als Antwort. Und da sie 5 Geschwister hat, fragte ich dann vorsichtig, wer denn alles mitkomme. Es waren dann nur Mutter mit den 3 jüngeren Kindern.

Gut, es waren "nur" 4. Jetzt die entscheidende Frage: Wie lange sie denn bleiben wollen. Zur Erinnerung, es war in den ersten Julitagen. Die Anwort führte zu einem der seltenen sprachlosen Momenten in meinem Leben: "Im September fängt die Schule wieder an."

Leicht hektisch überlegte ich nun wo ich die Matratzen und Decken her bekäme, damit ich alle unterbringen konnte, aber das ging dann recht gut. Im Au Pair Zimmer ist ein 2x2 m Hochbett, in dem locker die 3 Mädchen schlafen konnten. Mutter mit dem kleinen Bruder kam ins Gästezimmer.

Am Nachmittag fuhr dann ein Fiat Polski vor, den man gemeinhin als Elefantenrollschuh beschreibt. Auf den offiziellen 4 Plätzen des Autos saßen der Fahrer und Mama mit 3 Kindern. Dazu kam noch ordentlich Gepäck und staunend stand ich davor, was aus diesem Auto alles ausgepackt wurde. Nachdem alle Menschen rausgepurzelt kamen, wurde die Ernte des heimatlichen Gartens aus dem Fußraum rausgeholt. Es folgten jede Menge polnische Würste, Hühnchen und vorgekochte Gerichte. Aus dem Kofferraum kam auch noch der eine oder andere Kohlkopf gerollt.

Nun sprechen wir kein Polnisch, die Familie von A, aber kein Deutsch, so wurde unser Haus komplett übernommen. Den beiden Jungen machte die polnische Sprache nichts aus. Sie verstanden sie bald genauso gut wie Deutsch.

Mit den Geschwistern von A sind wir gut ausgekommen. Lediglich die Mutter war geprägt von Deutschenhass und auf uns insbesondere, denn wir hatten ihr die Tochter weggenommen und das "lockere" (unbeaufsichtigte) Leben hat bei A. den Wunsch geschürt, nicht nach Polen zurückzukehren, sondern sich hier um einen Studienplatz zu kümmern.

Die Situation mit "Mama" wurde immer gespannter, A. weigerte sich zu übersetzen, was ihre Mutter sagte und wir gingen einer Begegnung eh aus dem Weg. Da wir uns aber im eigenen Haus unterzählig fühlten, haben mein Mann und ich überlegt, doch unser Haus und Kinder ganz in polnische Hände zu legen, und eine Woche Urlaub ohne Kinder zu machen.

Die Kinder waren super versorgt. Es war ein traumhafter Sommer, morgens wurden die Strandsachen gepackt, Picknick dazu und abends wurden die Kinder und die Gäste entsandet und ins Bett gesteckt und so verlief der Sommer im Einklang mit Sonne, Ebbe und Flut.

So sind mein Mann und ich dann in einen Kinderlosen Urlaub aufgebrochen. Daß dieser sich im Nachhinein als nicht ganz so kinderlos wie gedacht herausstellte, ist eine andere Geschichte.

Nach unser Rückkehr reiste Mama dann nach Polen zurück und ließ uns ihre Kinder hier.
Mit denen hatten wir noch eine tolle Zeit, der Sommer war wirklich einer, an dem man nur am Strand leben konnte.
Lediglich der Krankengymnast von J. beschwerte sich, daß wir immer halbe Sanddünen mit in seine Praxis brachten.

Am Ende des Sommers verließen uns 3 Kinder und ich wußte, daß ein Kind auf dem Weg zu uns war. Ein kleines Mitbringsel aus dem als kinderfrei geplanten Urlaub.

Muschelsucher

Kommentare:

  1. Deine Erlebnisse schilderst du sehr interessant. Allerdings weiß ich nicht,
    welches Kind auf dem Weg zu euch war.
    Das habe ich nicht verstanden. Vielleicht
    gibst du mir Nachhilfe.

    Liebe Grüße
    Elisabeth

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  2. Kind Nummer 3, unsere einzige Tochter, die ein Mitbringsel aus dem als "kinderfrei" deklarierten Urlaub ;-)

    Habe mich wohl etwas undeutlich ausgedrückt.

    Liebe Grüße und Euch noch einen schönen Abend.

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