Freitag, 30. April 2010

erneute OP an der Hüfte

Wir werden gerade nach einer sehr guten Zeit wieder auf den Boden der Tatsachen gebracht.
Ich fasse gerade für neue Blogleser noch eben etwas die Vorgeschichte zusammen:

2008 hatte mein Sohn eine Hüft OP, deren Ergebnis auf einer Seite nicht besonders befriedigend war. Aus einer Caxa Valga (zu steil) ist eine Coxa vara (zu flach) geworden. Der Winkel ist inzwischen unter 90 Grad.
Wir haben 1,5 Jahre gebraucht, ihn nach der OP wieder auf die Beine zu bekommen. Seit fast einem JAhr lief alles gut. Man hoffte, der Knochen richte sich auf. Er lief frei und auch längere Strecken. Der Rolli wurde nur für lange Ausflüge genutzt.

Seit letztem Mittwoch hat mein Sohn wie ich ja auch hier geschrieben habe das Laufen mehr oder weniger eingestellt. Oder stürzt nach 2-3 Schritten, kann nur gehalten oder an der Wand entlang laufen.

Bis zu letzt habe ich auf was banales gehofft, Zerrung, Hüftschnupfen... nein, die Knochenstellung hat uns jetzt mit voller Härte eingeholt.

Nach Wachstum und auch Gewichtszunahme ist er nicht mehr in der Lage die durch die Knochenstellung zur Grundbehinderung noch verschlechterte Imbalance der Muskeln auszugleichen.

Nun muß noch in diesem Jahr wieder operiert werden, um das Ergebnis der letzten auf einer Seite zu revidieren.
Wahrscheinlich wird er nach eine Erholungszeit im Rolli nochmals die Kraft aufbringen wieder zu laufen in der nächsten Zeit, aber ein längeres Zuwarten ist wohl nicht angebracht, da wohl verschiedene "Sollbruchstellen" wie ein Damoklesschwert über uns hängen. Was alles durch weitere Belastung kaputt gehen kann, schwappte gestern wie ein Tsunami an Daten über mich hinweg. Die Informationen sickern erst so langsam ins Hirn.

Also alles nochmal - nur andersherum...
Manchmal möchte man nur schreiend die Wände hochgehen.



Bedeutet:

Op - 2 Wochen im KH im Gips - Fuß bis Rippe, danach weitere 6 Wochen zu Hause in diesem Gips.

Stellt Euch bitte die Pflege eines Kindes ein, das 13 Jahre ist und fast vollständig eingegipst ist für 8 Wochen.

Dann wieder 2 Wochen zur Mobiliserung ins KH und anschließend Reha mit unklarem Ausgang.

Und weil es so schön ist, muß ja auch irgendwann das Material wieder raus...

Generell ist dieser Tag wie eine gewaltige Wellen über mich hinweg gerauscht. Und wie schon an anderen solchen Tagen habe ich die Erfahrung gemacht, daß ich gerade an solchen Tagen, Bekanntschaften mit Menschen mache, die wunderbar sind. Jede in ihrer Art. Manche intensiver, andere flüchtig. Dennoch hat jede einzelne gestern geholfen, den Tag geistig heil zu überstehen und nicht in der Welle unterzugehen.

So die nette Mutter mit ihrem erwachsenen behinderten Sohn auf dem Weg nach Berlin in unserem Zug. Sie sprach (noch bevor ich im KH war), ihre Ehe war immer die Basis, auf der alles gemeistert wurde. Inzwischen ist ihr Mann verstorben und auch ihr neuer Partner steht zu dem "Kind" und wieder werden alle Situationen als Paar in Angriff genommen.

Sollte mich das daran erinnern, daß ich auch eine so schöne feste Basis habe, auch wenn ich das Gefühl habe, mir wird der Boden unter den Füßen weggezogen? War das schon eine Vorwegnahme der Ereignisse?

Das nette Gespräch an der Kaffeemaschine im Backwerk mit einem anderen Kunden. Seine positiven Gedanken hatten ihren Weg in mein Herz gefunden, bevor ich von der erneuten OP hörte. Gaben sie mir Kraft? Ich denke schon.

Warum war genau gestern im Flur diese nette andere Mutter da, die die Gabe hatte im Bruchteil einer Sekunde zwischen Tür und Angel einer völlig Fremden die richtigen Worte zu sagen?

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