Donnerstag, 4. Februar 2010

Seelenvögel - der Film

Der Film Seelenvögel läuft demnächst hier im Kino. Ich habe den Flyer mit der Einladung zur Mitgliederversammlung des Kinderhospizvereins bekommen.

Es kling nach einem ergreifenden Film:

Pauline ist 15, schreibt Gedichte und möchte Schauspielerin werden. Der zehnjährige Richard weiß alles über seine Krankheit. Und der sechsjährige Lenni ist der Liebling aller - sein Charme erfüllt jeden Raum.

Alle drei haben Leukämie. Drei Jahre hat der Kameramann und Regisseur Thomas Riedelsheimer die Kinder und ihre Familien begleitet. Entstanden ist ein erschütternder und tief berührender Dokumentarfilm über Krankheit, über den Tod, aber vor allem über das Leben: "Seelenvögel".

"Der schaut einen einfach an"
"Mir haben es die Kinder und die Familien leicht gemacht", sagt Riedelsheimer. "Ein Kind wie Lenni mit seinen sechs Jahren hat einen einfach rein genommen. Der hat einen Raum betreten und er war da. Er war präsent. Da war nicht die Frage von Voyeurismus. Die hat sich gar nicht gestellt. Oder Richard, der diesen unglaublich direkten Blick einfach hat und der das minutenlang auch aushält. Der schaut einen einfach an."

Zwischen Hoffnung und Verzweiflung
Riedelsheimer Film ist eine behutsame Annährung an eine unvorstellbare Situation. "Ich glaube, die Kamera hat mich geschützt, weil sie mir die Möglichkeit gegeben hat, mich auf meine Professionalität zurückzuziehen und den Film im Auge zu haben und dadurch auch ein Distanzmedium war. So seltsam das klingt, weil durch die Kamera auch diese extreme Nähe in den Bildern ist." Einfühlsam hat Riedelsheimer die Kinder und ihre Familien begleitet und ist mit ihnen durch hoffnungsvolle Momente, aber auch durch Verzweiflung gegangen.

"Die Leukämie ist zurückgekommen"
"Eine Transplantation, das ist mein absolutes Hassthema" sagt Pauline im Film. "Manchmal kann ich es auch so erzählen und so, aber ich weiß nicht. Nur wenn ich gerade in der richtigen Lage dazu bin." Sie hat ein Tagebuch geschrieben. In seinem Film liest der Autor Ausschnitte: "Der Tag ist ganz grau und überall waren Wolken. Ich dachte, es wird nichts sein. Es darf einfach nichts sein. Ich bin gesund. In der Klinik machten die erstmal ein Blutbild. Ich saß mit der Mammi vorm Fenster und guckte hinaus. Ich suchte nach einem Fleck in den Wolken. Wenn ich einen Fleck finden würde, würde alles gut werden. Ich hatte solche Angst. Mein Herz tat weh, so weh. Ich hatte das Gefühl, es würde zerspringen. Die Mammi hielt mich ganz fest im Arm, als die Ärztin kam. Ich wollte es nicht wissen, nein. Aber sie nickte uns zu, ja, leider, die Leukämie ist zurückgekommen."

"Ich wollte mich einfach verabschieden"

"In dem Film wird ja auch gestorben und es kommen auch Bilder von Kindern, die gestorben sind", sagt Riedelsheimer. "Und das war das Schwierigste für mich, weil es für mich eigentlich der größte Moment der Privatheit war und ich auch gemerkt habe, dieses Kind, das kann sich nicht mehr wehren. Und das war etwas, was ich selber nicht beschlossen habe, dass ich das tun will. Ich bin hingegangen ohne Kamera. Ich wollte mich einfach verabschieden. Und letztlich kam es aus den Angehörigen selber - dieses Gefühl. 'Jetzt hast du doch schon so viel gemacht mit unserem Kind. Und sie sieht doch da so friedlich aus und so schön.'"

Ein Geschenk

"Seelenvögel" ist ein tief berührender Film. Und lässt uns an einer Erfahrung teilhaben, von der meisten von uns keinerlei Vorstellung haben. "Das Problem bei all diesen Dingen, die man über Tod erzählen will, ist ja, dass wenn man es verbalisiert, nur platte Weisheiten herauskommen: 'Nutze den Tag!' und all diese Dinge. Ich glaube, es ist einfach ein großer Unterschied, wenn man es selbst erfährt. Und ich habe es durch diese zwei Jahre, die ich gedreht habe und mit den Kindern verbracht habe, erfahren dürfen. Ich schätze es als Geschenk. Und im Film versuche ich wenigstens anteilig ein bisschen davon weiterzugeben. So dass der Zuschauer die Möglichkeit hat, so etwas auch zu erfahren."

Nachdenken über den Tod

Aber am ergreifendsten in diesem Film, sind die Kinder selber. Über den Tod sagt Richard: "Es gibt die Möglichkeit, dass es wie ein ewiger Schlaf ist. Es kann sein, dass es nach der Bibel geht und man irgendwie in so einen Himmel kommt. Wobei ich null Ahnung habe, wie ich mir einen Himmel vorstellen soll. Oder dass man quasi in den Herzen anderer weiterlebt. Wir werden es schon noch früh genug erfahren."

(Autor: Thomas Radigk)


http://www.seelenvögel-der-film.de/

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